Der französische Philosoph Michel
Foucault sprach davon, dass das "Dokument nicht das glückliche Instrument
der Geschichte ist". Vielmehr gehe es bei der Geschichtsschreibung darum,
einer Gesellschaft eine Auslegung ihrer "dokumentarischen Masse, von der
sie sich nicht trennt", zu geben.
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| "Freeway to China 6", 1998/99, Farbfotografie
aus einer Serie von 23 |
Vordenker Foucault
Das Denken Michel Foucaults spielt für den Künstler, Fototheoretiker
und Lehrer Allan Sekula eine entscheidende Rolle. Und das Dokument wird
von Sekula ständig in seinem prekären Status befragt, interpretiert und
zur Anschauung freigegeben. So lässt er Bilder auch selten für sich
stehen, vielmehr setzt er auf Bilder im Zyklus in Verbindung mit Texten.
Ob kritischer Essay oder Libretto, ob Short-Story oder Brief, in
unterschiedlichsten Genres werden die Geschichten der Fotografien
erzählt.
Die Bedingungen des Lebens
Die kleinen Erzählungen des Alltags und ihre große Bedeutung für das
Dechiffrieren gesellschaftspolitischer Zusammenhänge entschlüsseln sich
bei der Lektüre von Sekulas Arbeiten.
Noch während seiner Studienzeit setzte sich Sekula mit der Biografie
seines Vaters auseinander. In den aus dieser Auseinandersetzung
resultierenden "Aerospace Folktales" von 1973 erfahren wir etwas über den
Lebensalltag eines arbeitslos gewordenen Ingenieurs bei der Lockheed
Aircraft Corporation, einem großen amerikanischen Unternehmen der Luft-
und Raumfahrtindustrie.
Auch hier sind es wieder Foucaultsche Fragen, die Sekula antreiben. Was
bewirkt die beruflich-mentale Disziplinierung, die Ingenieurs-Maschine,
für ein Individuum. Ein ganzer Raum der Generali Foundation ist den
"Aeropsace Folktales" gewidmet, die Bilder, Text und Sound aus
Lautsprechern miteinander verbinden.
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