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Rekorde für Rego, Hundertwasser und Kapoor

Die Auktionen mit zeitgenössischer Kunst in London

von Heidi Bürklin

Zeitgenössisches schwimmt auf der Erfolgswelle, verleiht Profil und Profit. Londons Auktionen bestätigten jetzt diesen Trend, wobei sich die britische Kunst eindrucksvoll in der internationalen Liga behauptete.

Am 23. Juni klopfte Tobias Meyer bei Sotheby's im flotten Tempo mit 14 Mio. Pfund bei 90 Prozent Erfolg nach Losen und 92 Prozent nach Wert eines ihrer besten einschlägigen Ergebnisse herunter. 26 der 36 verkauften Lose wurden dabei in lebhaften Geplänkeln zwischen Telefonen und Bietern im Saal über die Schätzung umworben.

Ins Schwarze der Schätzung traf dabei ein 5 Meter breites Gemälde des amerikanischen Graffiti-Künstlers Basquiat. Die von Höllenfeuer umgebene Teufelsmaske reizte einen US-Sammler trotz der Krakeluren in der Leinwand zu 2,2 (1,8-2,5) Mio. Pfund. Unter den Künstlern jenseits des Atlantiks erzielte Warhols "Kleiner elektrischer Stuhl" - nur wenige Versionen kursieren noch auf dem Markt - 800 000 (6-800 000) Pfund. Mit 650 000 (5-700 000) Pfund war Lichtensteins geometrisches Triptychon "Modern Painting" wohlprogrammiert.

Die bemerkenswertesten Sprünge aber machten an diesem Abend die figurativen Briten der älteren Generation. Bei diesen unter dem Etikett der "Schule von London" gruppierten Malern entdeckt nun auch der internationale Markt eine günstige Gelegenheit. Die Preisskala des Vorreiters Lucian Freud ist allerdings bereits wohl ausgereizt. Sein Kopf eines rothaarigen Malers von 1962 traf denn auch mit 1,5 (1,5-2) Mio. "nur" die untere Schätzung. Weit über Erwartung wurde hingegen Francis Bacons kleine prägnante Studie eines Selbstporträts umworben. Zu 1,4 (0,6-0,8) Mio. Pfund musste der Londoner Händler Ivor Braka ziehen: Lukrative Botschaft für den Einlieferer, der 1991 in dieses Bildnis, in dem eine Uhr als Memento mori tickt, 363 000 Pfund investiert hatte.

Bemerkenswert stark beeindruckte auch Frank Auerbachs reliefhaft modellierter Kopf mit 300 000 (60-80 000) Pfund, die dank internationalen Interesses seinen bisherigen Porträt-Höchstpreis von 170 000 Pfund deutlich überflügelten. Eine seiner großformatigen Londoner Straßenszenen animierte zu 220 000 (70-90 000) Pfund: Ein Zeichen, dass für diesen Maler an diesem Abend die Preislatte deutlich höher gerückt wurde. Eine Lanze fürs Figurative brach auch die in London arbeitende Portugiesin Paula Rego mit rekordträchtigen 100 000 (50-70 000) Pfund für ihre in Freskenfarben gehaltene "Frau mit Besen".

Verlässlich ist weiterhin die italienische Riege. Die Arbeiten des Schlitzkünstles Fontana rückten meist über den Schätzungen gen Italien oder die USA, am höchsten mit 480 000 (3-400 000) Pfund für ein bronzenes "Concetto spaziale". Während Gerhard Richters "Helen" nicht attraktiv genug für 0,8-1,2 Mio. Pfund erschien, wuchs Hundertwassers großer "Turm von Babel" von 1959 zum Rekord von 240 000 (70-90 000) Pfund.

Christie's zogen am Abend des 24. Juni mit etwas über 14 Mio. Pfund bei 90 Prozent Erfolg nach Losen und 96 Prozent nach Wert um Haaresbreite am Rivalen vorbei. Francis Bacon unterstrich dabei seine internationale Reputation mit dem Top-Preis für seine "3 Studien von Isabel Rawthorne" von 1966. Die New Yorker Galerie Acquavella - 20 Prozent der Käufer kamen aus den USA - musste bei diesem kleinformatigen Triptychon der Muse vieler Künstler bis 2,1 (1,5-2) Mio. Pfund ausharren.

Anish Kapoor unterstrich den britischen Erfolg mit einer Alabaster-Skulptur aus seiner "Volterra"-Serie. Ein europäischer Sammler verdreifachte mit 200 000 (150-200 000) Pfund seinen bisherigen Auktionsrekord.

Yves Klein verführte wieder einmal mit seiner Trumpfkarte, der Farbe Blau. Ein tiefblau gesättigtes Schwammrelief wanderte für 950 000 (0,8-1,2 Mio.) Pfund in die USA. Sein Landsmann Nicolas de Staël wurde wie schon zuvor bei Sotheby's lebhaft umworben: 420 000 (3-400 000) Pfund für eine lyrische mediterrane Abstraktion. Marc Rothkos meditativer Dreiklang von Blau, Schwarz und Dunkelgrün animierte einen Sammler zu 820 000 (450-650 000) Pfund, während Basquiats Boxer von 1983 sich zu 580 000 (4-600 000) Pfund durchkämpfte.

Auch das Vertrauen in die Spanier wurde gerechtfertigt: Barcelós Markenzeichen, eine krustig wirbelnde Stierkampfarena von 1990, traf mit 450 000 (4-700 000) Pfund in die hochgespannte Erwartung. Chillida wurde stark umworben, am heftigsten sein großes Tonrelief "Mural G-46" mit 320 000 (250-350 000) Pfund.

Die diskret eingemischte jüngere Garde schlug sich ebenfalls mit Bravour, wobei die teureren Briten allerdings auf dem Teppich blieben: Damien Hirst, der kürzlich eine Reihe seiner "Spot"-und "Spin"-Bilder im Brand des Lagerhauses "Momart" in London (Saatchi-Sammlung) verlor, registrierte hier 170 000 (180-220 000) Pfund für ein Pillen-Exemplar. Bei Jennifer Savilles Riesenkopf einer Patientin auf dem Operationstisch schreckte man nicht vor 180 000 (180-220 000) Pfund zurück. Unter den zur Zeit vielgefragten "Europäern" lockte Marlene Dumas mit ihrem Schlüsselloch-Tom zu 120 000 (60-80 000) Pfund.

Artikel erschienen am 3. Juli 2004

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