OÖNachrichten
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von
Ulrike Steiner
Einfach tun, was man tun muss
Starfotografin Elfie Semotan, gebürtige Oberösterreicherin mit Wohnsitzen in Wien und New York, zeigt ab heute in der Galerie der Stadt Wels (Eröffnung 19 Uhr) die Ausstellung "erwischen".

OÖN: Das Motto der Ausstellung Ihrer Arbeiten heißt "erwischen". Ein Schlüsselbegriff für Ihren Arbeitsstil? Wen oder was wollen Sie erwischen?

Semotan: Es geht einerseits darum, dass man hinarbeitet auf etwas, was man im Kopf hat. Es geht auch darum, einen guten Moment zu erwischen. Ich inszeniere Sachen und die fotografiere ich dann. Erst wollte ich das Wort nicht haben, aber die Definition des Daraufhinarbeitens, das passt schon.

OÖN: Bei Ihren Fotosessions machen Sie viele Polaroids. Sind das rein technische Studien?

Semotan: Ich mache diese Polaroids deshalb, um ein Gefühl für die Location zu bekommen, für den Raum, den man darstellen möchte, das Licht, das man hat und dann für das, was man in diesem Raum fotografiert. Mit den Polaroids ist das so ein Hintasten. Es ist einerseits natürlich technisch, andererseits eine emotionelle Sache.

OÖN: Polaroids sind ein wesentlicher Teil dieser Schau?

Semotan: Die Polaroids sind Objekte mit eigener Gültigkeit geworden. Schon während des Fotografierens ist das sehr schön, da biege ich sie und klebe sie zusammen und stell das alles nebeneinander, um zu sehen, was es ergibt. Das wird man auch in dieser Ausstellung sehen. Dazu sieht man dann auch in vielen Fällen die fertigen Prints.

OÖN: Sie haben sehr populäre Frauenbilder mitgeprägt. Um zwei Extreme zu nennen: Die legendären Superfrauen der Palmers-Plakatserie "Trau dich doch" Ende der 1970er Jahre, aber auch die Braut mit dem blauen Auge für die Kampagne der Frauenhäuser 2006. Wo stehen die Frauen Ihrer Wahrnehmung nach heute?

Semotan: Eigentlich hat sich nicht sehr viel verrückt. Die "Trau dich doch"-Kampagne war eher zur Zeit eines Aufbruchs. Für die Frauen war es schon selbstverständlich, selbstbewusst zu sein - für mich jedenfalls - und zu verlangen, was sie möchten. Andererseits gibt es natürlich diese Seite der Frau mit dem blauen Auge heute genauso, oder noch viel mehr in unserem Bewusstsein. Auch durch den sogenannten Religionskrieg, wo man auf die Position der Frau in islamischen Ländern oder in Afrika viel mehr aufmerksam gemacht wird.

OÖN: Im Augenblick wird das Buch "Das Eva-Prinzip" der TV-Moderatorin Eva Hermann heiß diskutiert. Sie fordert die Frauen ultimativ zur Entscheidung zwischen Karriere und Familie auf. Was sagen Sie als "working mum" dazu?

Semotan: Ich versteh das überhaupt nicht, weil für mich hat es diese Entscheidung nie gegeben. O ja, die Frage hat sich mir schon gestellt, aber so, dass es mir von vornherein unmöglich war, auch nur in Erwägung zu ziehen, zu Hause zu bleiben, allein von meinem Selbstverständnis her. Ich hatte immer einen großen Freiheitsdrang und wollte tun, was ich einfach tun muss.

OÖN: Sie haben im Sommer mit jungen Leuten in einem Workshop des Medienkulturhauses Wels gearbeitet. Was haben Sie ihnen mitgegeben?

Semotan: Die Botschaft ist, dass es spannend ist, zu arbeiten, Dinge zu realisieren, die man sich vornimmt. Es ist spannend, zu leben, etwas gemeinsam zu tun, zu kommunizieren.

Info: Ausstellung Elfie Semotan, Galerie der Stadt Wels; 26. 10. bis 7. 12.;
http://www.galeriederstadtwels.at/

 

Elfie Semotan

Begann nach dem Abschluss der Modeschule Hetzendorf ihre Laufbahn als Model in Paris. Nach sieben Jahren Laufsteg begann sie 1967 in Wien als Mode- und Werbefotografin zu arbeiten. Der Durchbruch gelang ihr Ende der 70er Jahre mit der Palmers-Wäsche-Kampagne "Trau dich doch!", Aufsehen erregte auch ihr "Römerquelle"-Dreier. Einige ihrer Kampagnen wurden ausgezeichnet, in den 80er Jahren heimste die Fotografin zwei Staatspreise ein.



OÖnachrichten vom 25.10.2006
 
   



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