Mit österreichischem Stipendium war der Wiener Künstler Felix Malnig 2003 drei Monate als Artist-in-Residence in der westchinesischen Zehn-Millionen-Stadt Chengdu. Seine Eindrücke hat er in einer Gemäldeserie verarbeitet, die jetzt in der Galerie habres+Partner zu sehen ist.
Der Ausstellungstitel „Delusion“ spielt auf die Täuschungen an, die der Wirtschaftsboom mit sich bringt. So erweisen sich Immobilienträume oft als Blasen. Malnigs zwei Gemälde „uncompleted skyscraper“ (1000€) zeigen leere Hochhäuser, die nach der Pleite der Investoren zu Ruinen verkamen. Sie scheinen zu schweben, denn Malnig hat ihre unteren Stockwerke umwölkt. Mit Silberspray setzt er Glanzlichter in die grau gehaltenen Darstellungen, in Kontrast zu den schwarzen Rastern der Architektur.
Eine modernistische Skulptur aus Chengdu, die auch zwischen Bürotürmen in Brüssel stehen könnte, verewigt Malnigs Bild „delusion“ (3400€). Zwiespältiger ist „monument (Tibet)“: Man sieht eine winzige Person vor dem Freiheitsmonument, das China dem von ihm annektierten Nachbarland errichtet hat.
Streifen auf Reispapier
Von einem chinesischen Museum wurde der Wiener Maler Rudi Stanzel in die Küstenstadt Ningbo eingeladen. Auch wenn seine Formensprache strikt abstrakt ist, der zweimonatige Aufenthalt hat Spuren auf seinen Leinwänden hinterlassen. Die Balken, die schon früher seine Bilder durchzogen, bestehen jetzt aus zartem Reispapier. Das für die traditionelle chinesische Tuschemalerei typische Material sorgt für feine Plastizität. Wenngleich hier nur Streifen in Grautönen zu sehen sind, setzen die Bilder (3800 bis 4000€) doch Akzente. Stanzel mischt Silberpartikel in stumpfe Grisaillen oder übermalt die Reispapierstreifen weiß, so dass ihre Oberflächenstruktur zerknittert zutage tritt. Der Wechsel aus Farbe und Papier gibt den Kompositionen Lebendigkeit. Mit dem Titel „Made in China“ hält Stanzel das Produktionsland seines neuen Zyklus fest – und spielt zugleich auf den billigen Warenstrom an, der von dort zu uns fließt. Warum nicht auch kulturelle Inspiration, möchte man mit den Künstlern fragen.
Malnig: bis 10.3. bei habres+partner (2., Hollandstr. 7); Stanzel: bis 3.3. in der Galerie Ulysses (1., Opernring 21).
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2007)