Dass die Auslandskultur wieder (nach der Hochblüte Mitte der 90er-Jahre unter VP-Außenminister Alois Mock) eine Aufwertung erfahren hat, lässt sich an Zahlen ablesen: Seit 2004 – damals wurden für die Auslandskultur inklusive des ausgelagerten, für Sprachkurse zuständigen Österreich Instituts lediglich 5,52 Millionen Euro zur Verfügung gestellt – steigt das Budget kontinuierlich. Dieses Jahr beträgt es 7,6 Millionen: Derart viel wurde, so Brix stolz, noch nie für die Auslandskultur ausgegeben. Es handle sich, meint der Diplomat, um einen generellen Trend: "Viele Staaten investieren in ,Smart Power‘!"
Die Budgetsteigerungen haben daher auch konkrete Auswirkungen: Im März 2007 konnte das Kulturforum in Neu-Delhi eröffnet werden, in wenigen Monaten wird es auch eines in Belgrad geben: "Wir sind derzeit auf der Suche nach einem Ort im Zentrum." In Belgrad wird zudem im Winter ein Österreich Institut in Betrieb genommen.
Hinzu kommen alsbald ein Übersetzerzentrum in Sarajewo, das mit Beginn des nächsten Jahres Seminare anbieten wird, und eine Vernetzungsplattform für die Kreativwirtschaft in Novi Sad. Die "Expansion" in den südosteuropäischen Raum – auch mit Österreich-Bibliotheken, deren es bisher 52 gibt (im Mai wurde eine in Istanbul eröffnet) – geht also weiter: Emil Brix plädiert gegenüber dem Standard für ein eigenständiges Kulturforum in Moskau.
Es sei aber auch wichtig, in "emergent countries" präsent zu sein: Brix unternahm bereits eine Erkundungsreise nach Brasilien und hofft, dass seine Ministerin Ursula Plassnik (VP) den Standort São Paulo – in der Metropole gibt es bisher nur ein Honorarkonsulat – bei der Auslandskulturtagung am 6. September im Künstlerhaus (ab 9 Uhr) bekannt geben wird. Das diesjährige Thema lautet: "Wo liegt Europa? Kultur als Chance europäischer Integration". (Thomas Trenkler /DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.08.2007)