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10.05.2002 - Ausstellung
Eine Nacht mit Schwitters
Die aktuelle Kurt-Schwitters-Ausstellung im Kunstforum hat dem Wiener Kulturbetrieb viel Leben eingehaucht. Mit „Dada am Samstag“ steht einer der Höhepunkte noch bevor: Dann wird Gerhard Rühm die „Ursonate“, Schwitters literarisches Opus Magnum, zur Auff
von Johanna Hofleitner


Nach sieben total im Zeichen der Merz-Kunst stehenden Wochen fühlt Ingried Brugger sich in der Rolle der Schwitters-Direktorin pudelwohl. Besonders stolz macht die Leiterin des Kunstforums das „Umfeld der Reaktionen“: „Seit Cézanne haben wir nicht mehr so eine positive Medienresonanz gehabt. Dadurch, daß die Ausstellung neu zusammengestellt ist, entstand wirklich auch eine inhaltliche Diskussion.“ Zwar, räumt Brugger ein, sei die Schau, verglichen etwa mit Malewitsch, finanziell kein großer Erfolg. Das wäre aber auch nicht zu erwarten gewesen. „Anders als in Deutschland, wo jedes Kind mit Schwitters aufwächst, ist er für das hiesige Publikum ein nahezu Unbekannter.“

Stark angesprochen haben hingegen die Künstler. „Das freut mich um so mehr, als Künstler doch immer im Diskurs ihrer Zeit gefangen sind. Diesmal aber nehmen sie wirklich teil und diskutieren Schwitters – die älteren genauso wie die ganz jungen.“ Darf sich ein Ausstellungshaus punkto Besucherzahlen eine derart noble Zurückhaltung leisten? Brugger: „Für eine Institution, die Cézanne, Kandinsky und andere big names gebracht hat, ist es wichtig, auch einmal schwierige Themen anzufassen. Schwitters ist ein Unbekannter unter den Großen. Zu Unrecht. Zumindest konnten wir ihn mit dieser Ausstellung einigen Zigtausenden Besuchern näherbringen.“

Lange Nächte & Radikalsatiren

Daß die, die hier gewesen sind, mehrheitlich begeistert sind, zeigt ein Blick ins Gästebuch. Getreu dem Schwitterschen Ursprungsgedanken liegt es bei seinem „Merzbau“ auf. Die Rekonstruktion dieser dreidimensionalen Riesen-collage stellt eine der Hauptattraktionen der Ausstellung dar. „Herzlich-Merzlich“, ist da zu lesen. Oder: „Kunst … ist eine Schnecke … mein Zuhause.“

Und ein drittes Mal heißt es: „Möchte hier mal eine Nacht verbringen“. Der Wunsch geht übrigens bald in Erfüllung: Im Rahmen der „Langen Nacht der Musik“ bringt mit Gerhard Rühm – Wiener-Gruppe-Mitglied, konkreter Poet, bildender Künstler, Pianist, Vortragender – einer der begabtesten Interpreten zeitgenössischer Dichtung die „Ursonate“, Schwitters lautmalerisches Opus Magnum, und andere Texte zur Aufführung.

In derselben Nacht kommt mit Franzobel ein weiterer literarischer Nachfahre von Schwitters zu Wort. Zusammen mit dem Posaunisten Bertl Mütter präsentiert er „Radikalsatiren ohne Pointe … beschleunigte Unterhaltung, ein Feuerwerk mit Turbo, radikalen Unterhaltungsunderground, eine neue Dimension an Witz, etwas Ungeheuerliches, Wahnsinn, kräftige Schmierenposie.“ Das merzt!

Bank Austria Kunstforum: „DadaSa – Dada am Samstag“: 8. 6. ab 19 Uhr. Die Ausstellung „Schwitters“ läuft bis 16. 6.

Karel Appel

Abstrakte Figürlichkeit: Mit Karel Appel, Jahrgang 1921, führt das Kunstforum im Herbst die Reihe der großen, zeitgenössischen Malereiausstellungen fort. In die Kunstgeschichte schrieb sich der Niederländer ein durch seine Gründungsmitgliedschaft bei der revolutionären Künstlervereinigung CoBrA, 1948–1951. Das Kollektiv war aus dem Bedürfnis entstanden, in der Kunst wie in der Gesellschaft einen radikalen Bruch herbeizuführen. Handlungsorte waren Kopenhagen, Brüssel und Amsterdam – und immer wieder Paris, wo sich Appel 1950 niederläßt. Wichtige Kontakte entstehen, ab 1957 reist er verstärkt nach Amerika und trifft dort auf die Künstler des Abstrakten Expressionismus. Bis heute ist Appel einer kraftvollen, zwischen Art Brut, Figur und Abstraktion pendelnden Malweise treugeblieben. Im Bild: Nobody‘s Puppets #1, 1994 („Karel Appel“, 5. 9.–13. 10.)



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