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05.06.2003 - Ausstellung
Jenseits von Caspar David Friedrich
Elegante Gebirgslandschaften, Variationen des Erhabenen, Kunst zwischen Gegenstand und Freiheit.
VON FLORIAN STEININGER


Ein Vexierbild zwischen der Fulminanz malerischer koloristischer Farbräume und der Illusion eines romantisch aufgeladenen Naturereignisses: Herbert Brandls Werk schwebt zwischen Gegenstandsbezug und freier Malerei. Souverän komponierte Gebirgslandschaften mit verschneiter Bergspitze, Nebelschwaden eröffnen die Schau in der Galerie nächst St. Stephan. Aufgrund des glatten Farbauftrags erschließt sich dem Betrachter ein tiefen-illusionistisches Panorama, verstärkt durch weiße Rahmen.

Ihre Struktur erinnert ein wenig an aufgeblasene Postkarten aus der Bergwelt. Die Unbekümmertheit in der Ausstrahlung dieser Arbeiten spiegelt sich auch in der selbstverständlichen Haltung des Künstlers wider, mit stark besetzten Themen umzugehen, und in seinen malerischen Stil zu transformieren. Pathos, Romantik, ein Hauch 19. Jahrhundert - Caspar David Friedrich, Joseph Anton Koch, Kampf Mensch gegen Berg. Von konservativem Anachronismus kann keine Rede sein. Im Gegenteil: Brandl verleiht dem Sujet eine neue spannende Note, es ist der stetige Konflikt zwischen der Malerei per se und der Realisierung des Motivs. Oft zerschlägt Brandl das Malerische par excellence selbst, mit breiten Pinseln streift er über die Leinwand, lässt ihre groben Fährten bewusst offen stehen.

Dem Kernstück der Schau begegnet der Besucher im Kabinettraum: Der Kailash, der heilige Berg der Buddhisten, erstreckt sich über die gesamte Wandfläche. Der Betrachter ist regelrecht in der Gebirgswand eingeschlossen. Den Hintergrund bestimmt Brandl mit dynamisch bläulichen Spritzern, die im anschließenden Raum mit dem an Gischt und Wasserfall erinnernden Bild korrespondieren. Dennoch steht stets die Malerei im Vordergrund.

Brandl überrascht immer wieder mit einmaligen Würfen, wahrscheinlich, weil der ständige Konflikt, das Ringen um ein in sich gefestigtes Bild dominiert. Diese Haltung hat aber nichts mit der Dauer der Bild-Entstehung zu tun. Meist sind es die großformatigen Bilder, die binnen kürzester Zeit vollendet werden. Konterkariert wird das Mächtige von Felswand, tosendem Wasser durch ein kleinformatiges Margeriten-Bild. Die dritte Einheit wird bestimmt vom Thema der Farbe: kräftige Rot- und Gelbtöne beweisen Brandls Sensibilität für Kolorit.

Ein pastoses Werk erinnert noch ein wenig an die stürmischen Jahre der Neuen Wilden. Damals ist Peter Pakesch als entscheidender Förderer aufgetreten und hat, neben Rosemarie Schwarzwälder, den Maler international etablieren können. Viele der Jungen Wilden haben am Kunstmarkt stark eingebüßt. Die schnelle, frische Malerei hat den Markt überschwemmt, einige ihrer Protagonisten haben sich später dem Wesen dieses Genres verpflichtet und konnten wesentliche Impulse setzen. Neben Brandl sind es in Österreich vor allem Siegfried Anzinger, Erwin Bohatsch, Hubert Scheibl oder Vopava gewesen. Preislich hat der Künstler ein stabiles gehobenes Segment erreicht, das in der Ölmalerei zwischen ca. 10000 und 60.000 Euro einzustufen ist. Tendenz steigend, ein Gipfelstürmer. (I., Grünangergasse 1; bis 28. Juni)



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