Ein Vexierbild zwischen der Fulminanz malerischer koloristischer
Farbräume und der Illusion eines romantisch aufgeladenen Naturereignisses:
Herbert Brandls Werk schwebt zwischen Gegenstandsbezug und freier Malerei.
Souverän komponierte Gebirgslandschaften mit verschneiter Bergspitze,
Nebelschwaden eröffnen die Schau in der Galerie nächst St. Stephan.
Aufgrund des glatten Farbauftrags erschließt sich dem Betrachter ein
tiefen-illusionistisches Panorama, verstärkt durch weiße Rahmen.
Ihre Struktur erinnert ein wenig an aufgeblasene
Postkarten aus der Bergwelt. Die Unbekümmertheit in der Ausstrahlung
dieser Arbeiten spiegelt sich auch in der selbstverständlichen Haltung des
Künstlers wider, mit stark besetzten Themen umzugehen, und in seinen
malerischen Stil zu transformieren. Pathos, Romantik, ein Hauch 19.
Jahrhundert - Caspar David Friedrich, Joseph Anton Koch, Kampf Mensch
gegen Berg. Von konservativem Anachronismus kann keine Rede sein. Im
Gegenteil: Brandl verleiht dem Sujet eine neue spannende Note, es ist der
stetige Konflikt zwischen der Malerei per se und der Realisierung des
Motivs. Oft zerschlägt Brandl das Malerische par excellence selbst, mit
breiten Pinseln streift er über die Leinwand, lässt ihre groben Fährten
bewusst offen stehen.
Dem Kernstück der Schau begegnet der Besucher im
Kabinettraum: Der Kailash, der heilige Berg der Buddhisten, erstreckt sich
über die gesamte Wandfläche. Der Betrachter ist regelrecht in der
Gebirgswand eingeschlossen. Den Hintergrund bestimmt Brandl mit dynamisch
bläulichen Spritzern, die im anschließenden Raum mit dem an Gischt und
Wasserfall erinnernden Bild korrespondieren. Dennoch steht stets die
Malerei im Vordergrund.
Brandl überrascht immer wieder mit einmaligen Würfen,
wahrscheinlich, weil der ständige Konflikt, das Ringen um ein in sich
gefestigtes Bild dominiert. Diese Haltung hat aber nichts mit der Dauer
der Bild-Entstehung zu tun. Meist sind es die großformatigen Bilder, die
binnen kürzester Zeit vollendet werden. Konterkariert wird das Mächtige
von Felswand, tosendem Wasser durch ein kleinformatiges Margeriten-Bild.
Die dritte Einheit wird bestimmt vom Thema der Farbe: kräftige Rot- und
Gelbtöne beweisen Brandls Sensibilität für Kolorit.
Ein pastoses Werk erinnert noch ein wenig an die
stürmischen Jahre der Neuen Wilden. Damals ist Peter Pakesch als
entscheidender Förderer aufgetreten und hat, neben Rosemarie
Schwarzwälder, den Maler international etablieren können. Viele der Jungen
Wilden haben am Kunstmarkt stark eingebüßt. Die schnelle, frische Malerei
hat den Markt überschwemmt, einige ihrer Protagonisten haben sich später
dem Wesen dieses Genres verpflichtet und konnten wesentliche Impulse
setzen. Neben Brandl sind es in Österreich vor allem Siegfried Anzinger,
Erwin Bohatsch, Hubert Scheibl oder Vopava gewesen. Preislich hat der
Künstler ein stabiles gehobenes Segment erreicht, das in der Ölmalerei
zwischen ca. 10000 und 60.000 Euro einzustufen ist. Tendenz steigend, ein
Gipfelstürmer. (I., Grünangergasse 1; bis 28. Juni)
© Die
Presse | Wien