Die Ornamentik des Walter Obholzer

In seiner Ausstellung in der Secession zeigt Walter Obholzer neueste Arbeiten und geht der Frage nach der Relevanz der Malerei im Medienzeitalter nach.
Von Roland Schöny.


Der Wiedererkennungswert ist relativ hoch. Die Formensprache in der Malerei von Walter Obholzer löst Erinnerungen an dessen Grundlagenuntersuchungen zum Thema Ornament Anfang der 90er Jahre aus.

Walter Obholzer (Zum Vergrößern anklicken)
Walter Obholzer (Zum Vergrößern anklicken)

Obholzers Werke weisen geometrische, gitterartige Strukturen auf, deren Einzelelemente in Variationen wiederholt werden und miteinander vernetzt sind. Obwohl gemalt, scheint es mitunter, dass sie wie Objekte in den Raum gestellt sind. Das lassen Schatten vermuten, von denen die Hauptlinien begleitet werden.

Malerei im Medienzeitalter

Dahinter steht die Frage, wie im Genre der Malerei gearbeitet werden kann, nachdem Fotografie und bewegte Bildwelten weitaus gegenwartsbezogener erscheinen als klassische Formen der Kunstproduktion. Genau aus diesem Grund hat sich Walter Obholzer für eine Art der Malerei entschieden, die deutlich mit dem Medienzeitalter verknüpft ist.

Kollektive Erinnerungen

Durch die Bearbeitung des "Themas" Ornament bezieht er sich nicht nur auf kollektive Erinnerungen, sondern dockt direkt an Produktionsformen des Informationszeitalters an. Die von ihm verwendeten Formen sind nämlich digital generiert und basieren auf Algorithmen, die seriell wiederholbar sind.

Am Ornament fasziniert Walter Obhholzer das Entstehen von Vokabeln, die keinen Autor brauchen. "Sie tauchen in einer gewissen Gleichschaltung und in gewissen Wellen auf", so Obholzer, für den es sich hier um eine Kulturform mit anonymer Autorenschaft handelt, hervorgerufen durch spezifische Gruppenmechanismen innerhalb der Gesellschaft.

Umgebaute Secession

Walter Obholzer in der Secession
Walter Obholzer in der Secession

Ungewöhnlich und auffallend für eine Bilderausstellung ist der relativ aufwendige Umbau des Hauptraumes der Secession. Aus der Sicht der Secessionisten handelte es sich damals um einen "idealen" Präsentationsraum. Doch in dutzenden Ausstellungen der letzten Jahrzehnte haben Künstler darauf verwiesen, dass der sakral wirkende Hauptraum in dem tempelartigen Gebäude alles andere als ideologiefrei sei.

Pauhof gestaltet Secession

Walter Obholzer in der Secession
Walter Obholzer in der Secession

Um diese Reflexionen fortzusetzen, hat Walter Obholzer das Architektenduo Pauhof eingeladen, den Raum zu gestalten. So wurden das rechte und das linke Seitenschiff mit Podesten ausgestattet, die Decke wurde mit schwarzer Farbe versehen und die dynamisch auskragenden Präsentationswände haben einen gleichmäßigen Farbton in Dunkelockerbraun.

Obholzers Bilder werden ähnlich wie in einem Archiv gezeigt. Denn die zentrale Frage besteht für Obholzer darin, ob es überhaupt noch möglich ist, in einem musealen Raum wie der Secession zeitgenössische Bilder zu zeigen.

Roza El-Hassan

Im Kontrast zu Obholzers Arbeiten werden zur gleichen Zeit in der Galerie und im Grafischen Kabinett der Secession Arbeiten von Roza El-Hassan gezeigt. Die in Budapest lebende Künstlerin war zuletzt auf der Biennale in Venedig vertreten.

Skizzen und Ideen

Auffallend in den Arbeiten der Künstlerin ist, dass sie sich auf eine Dynamik einlässt, die durch das jeweilige Material vorgegeben sein kann. Zum Beispiel arbeitete sie einmal mit farbigen Fäden, die sich von selbst kringeln. In ihrer Wohnung wiederum machte sie Bleistiftzeichnungen direkt an die Wand.

Sie hat das Spektrum ihrer Arbeit aber auch durch Objektstudien erweitert. Einige davon wirken paradox und unlogisch, wie zum Beispiel ein Felsstein, auf den eine Türschnalle montiert ist. Andere wiederum sind klassische Holzskulpturen. Die in der Secession gezeigten Sachen sind Arbeiten aus rohem, unbearbeitetem Holz, die in der Ausstellungshalle schnell zusammengebaut werden können. Neben fertig entwickelten Arbeiten will die Künstlerin auch Arbeiten zeigen, "die erst in Form einer Skizze oder einer Idee existieren."

In einem Video versucht Roza El-Hassan, ihre verschiedenen formalen Studien - wie in einer Art Dokumentation der eigenen Arbeit - zusammenzuführen. Unlängst hat ihr formal ausuferndes Werk eine neue Dimension erreicht. Aus einer gemeinsamen Ausstellung mit dem rumänischem Künstler Luchezar Boyadijev und der Serbin Milica Tomic in Glasgow hat sich ein Projekt ergeben. In Form von Videos, E-Mails und Telefongesprächen reflektieren die drei ihre Künstlerexistenz an der Peripherie Europas:

Links:
Secession
Homepage von Walter Opholzer mit Fotos von früheren Ausstellungen.

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