| Saal hinterließ stärksten Eindruck | |
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Der Saal erntete von der Kritik viel Lob, Furrers Werk wurde ambivalent bewertet. |
Keine Ovationen, aber herzlicher Applaus: Den stärksten Eindruck bei
der Eröffnungspremiere des Kulturhauptstadtjahres hinterließ die neue
Helmut-List-Halle, die mit der szenischen Urauffürung von Beat Furrers
"Begehren" eröffnet wurde.
Der Architekt Markus Pernthaler hat die ehemalige Fabrikshalle auf dem
Waagner-Biro-Gelände hinter dem Hauptbahnhof umgebaut. Musik profitierte vom Saal Ein derart langer und hoher Saal, in dem noch die leisesten Töne über
weite Distanzen hörbar sind, und das ohne störenden Nachhall, so einen
Spielort findet man nur in wenigen Städten. Der größtenteils zarten,
langsamen Musik von Beat Furrer kommt das enorm zugute.
Offen und flexibel Gerhard R. Koch, Musikkritiker bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung,
hob im Spontan-Interview nach der Aufführung noch eine andere Qualität des
Raumes hervor: Er wirkt so flexibel und offen für verschiedene
Raumkonzepte, wie man sich einen Schauplatz für zeitgenössisches
Musiktheater wünscht. "Diese Halle bietet die Möglichkeit zu einem wirklich
multiperspektivischen Theater. Anders als etwas bei der Münchner
Musiktheaterbiennale, wo letztlich dann doch immer die alte
Guckkastenbühne den visuellen Rahmen vorgab, sind hier an verschiedenen
Stellen des Raumes völlig unabhängig voneinander choreografische,
solistische, chorische Aktionen möglich", so Koch. Bühnenbild: Zaha Hadid Bei "Begehren" wird eine Längsseite der Halle fast zur Gänze von einer
hydraulisch bewegbaren Bühnenlandschaft eingenommen, die Zaha Hadid
entworfen hat. Anfangs liegt sie leicht wellig, fast flach da. Im Lauf der Aufführung
öffnen sich dann Bodenelemente, breite Bänder werfen sich zu Brücken und
Schleifen auf, immer zerklüfteter wird die Unterwelt, in der Opheus und
Eurydike in Beat Furrers Stück einander verlieren. Zaha Hadids
Bühnenoberfläche verhält sich wie eine dünne Decke, die aufbricht und die
Sphäre der Vergangenheit und Erinnerung freigibt. Trauma des Verlustes In "Begehren" erinnert sich ein Mann daran, Orpheus gewesen zu sein,
durchlebt nochmals das Trauma des Verlustes und nicht wiedergutzumachender
Fehler. Die Choreografin Reinhild Hoffmann, deutsche Tanz-Erneuerin der
70er und 80er Jahre, hat das Geschehen in Hades als Chorszenerie toter
Seelen inszeniert, die sich ständig ruhig fließend bewegen wie
Wasserpflanzen und die Protagonisten umspielen. Da entfalten sich interessante Kräfte-Wechselwirkungen zwischen den
Individuen Orpheus und Eurydike und der sozialen Masse um sie herum, eben
der Seelen-Schatten in der Unterwelt. Eine gewisse Stil-Patina vergangener
Avantgarde haftet der Choreografie allerdings an. Einsamkeits-Tristesse Hans-Klaus Jungheinrich von der "Frankfurter Rundschau" zur
Inszenierung: "Eine karge Chor-Etüde, die etwas geradezu Mönchisches hat,
wie eine Buß-Übung. Ich finde auch die Verbindung zwischen der Musik und
der Inszenierung, obwohl es sehr musikalisch inszeniert wurde, nicht
unbedingt zwingend - für mich ist die Musik als solche auch schon
Theatermusik genug."
Furrers Szenenfolge auf Dichtungsfragmente von Ovid bis Cesare Pavese
bewegt sich nach einem recht dramatischen Beginn über lange Passagen nahe
am Zerfallen, am Erstarren in Einsamkeits-Tristesse. Lob für's Ensemble Recherche Carsten Fastner vom Falter, der sich als ausgesprochener Furrer-Fan
deklariert, war mit dieser Partitur nicht restlos glücklich. "Ich fand das
sehr sehr gut, was er gemacht hat, aber so ganz gepackt hat's mich nicht,
wie's mich bei anderen Werken von ihm schon gepackt hat - also mit diesem
Sog hat es da nicht ganz geklappt. Trotzdem: Ganz toll aufgeführt - das
Ensemble Recherche hat unglaublich gut gespielt." Tipp: "Begehren" von Beat Furrer in der Helmut-List-Halle in Graz. Weitere Aufführungen am 10., 11., 17. und 18. Jänner jeweils um 20.00
Uhr. Karten unter Graz
2003 oder an zahlreichen Vorverkaufsstellen in der Stadt. Infos unter
Tel. 0316/2003. | ||||||||