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| 07.09.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Selbstporträt mit blauem Aug' | ||
| VON ANNE-CATHERINE SIMON | ||
| Jubiläums-Schau. Harmlos und doch ein Eklat: Die "Physiognomie der 2. Republik". | ||
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Wo zeigt sich die wahre "Physiognomie der Zweiten
Republik": in der gleichnamigen Ausstellung zum Jubiläumsjahr, die ab
heute, Mittwoch, im Belvedere zu sehen ist - oder im begleitenden Eklat?
Einen Tag vor Drucklegung wurde aus dem Katalog ein Beitrag des Autors
Franz Schuh herausreklamiert, nachdem am 29. August ein Vorabdruck im
"Spectrum" der "Presse" erschienen war: Peter Weiser, ein Proponent der
Belvedere-Schau "Das neue Österreich", werde darin "lächerlich gemacht".
Elfriede Jelinek (die im Katalog selbst mit einem Beitrag
vertreten ist) und Gerhard Ruiss von der IG Autoren protestieren nun gegen
die "lächerliche Zensur" (siehe Leserbrief und Gastkommentar Seite 30).
"Ein großer Schock" war das Verbot auch für den Ausstellungs-Kurator Paul
Kruntorad. Und Benedikt Föger, Leiter des Czernin-Verlags, der den
Textband veröffentlicht hat, hätte eine öffentliche Antwort von Peter
Weiser sinnvoller als ein Verbot gefunden. Wieder ein Beweis, dass in den Jubiläumsfeierlichkeiten
"nichts gezeigt", sondern "etwas versteckt werden" soll, meint Ruiss. Und
tatsächlich: "Was wird enthüllt, was verborgen, was ist Antlitz, was ist
Maske?", das sind genau die Fragen, die man sich in einer Ausstellung über
Gesichter erwarten würde. "Die Physiognomie der 2. Republik" stellt sie
nicht. Ein Versäumnis? Liebe macht blind, manchmal ist sie trotzdem liebenswert.
Die Zärtlichkeit des Kurators Peter Kruntorad für seine Schau ist
ansteckend, sein williges Bekenntnis zur "Nostalgie" entwaffnend. "Ehrlich
gestanden, sind mir Dokumenten-Ausstellungen wie jene auf der Schallaburg
langweilig", sagt er. Statt Historie zu zeigen oder gar zu diskutieren
will er Emotionen und persönliche Erinnerungen wecken - durch
"legendenbildende" Gesichter: auf Gemälden, Skulpturen, Plakaten, Fotos,
Zeichnungen, Karikaturen. Die "subjektive" Auswahl ("Der Toni Sailer hätt'
schon rein gehört", beschwert sich ein Besucher) reicht nur bis Ende der
Achtzigerjahre - denn für Kruntorad "endet die Zweite Republik eigentlich
mit der Ära Kreisky". Viele der Porträtierten hat er selbst gekannt (Curd
Jürgens etwa, "ich habe ihn mit anderen im Sacher getroffen, um ihn als
Marquese für die Uraufführung von Jelineks ,Clara S' anzuwerben; am Ende
musste ich für alle zahlen"). Kruntorad hat gestöbert und herangeschafft, was er finden
konnte, darunter kaum bekannte Kostbarkeiten: zum Beispiel den einzigen
"Versuch einer Selbstdarstellung" des 23-jährigen Alfred Hrdlicka ("Das
war ein wichtiger Moment, hat er mir erzählt, da hat er sich gegen die
Malerei und für die Skulptur entschieden"). Auf einem Bild Karl Sterrers
ist Wotruba mit einem blauen Auge zu sehen - "weil der Maler sich so
geärgert hat über ihn", weiß Kruntorad. Viele Fotos: Peter Turrini
uniformiert im Fernsehspiel "Operette"; ein vampirähnlich grinsender Hans
Hollein; Günther Nenning im Reinhold-Messner-Look; ein Foto von Josefine
und Leopold Hawelka. Dazu Politiker zuhauf, auch auf Wahlplakaten. Das
beste Plakat findet sich leider nur im begleitenden Bild-Katalog: jenes
für Kurt Waldheim aus Anlass der Präsidentschaftswahlen 1971, das den
Slogan trägt: "Der Mann, dem die Welt vertraut". Masken enthüllen eben oft mehr, als man denkt, auch in
einer unkritischen Schau. Bedenkt man dann auch den Eklat dazu, ergibt das
wieder ein ziemlich vollständiges Österreich-Bild. |
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