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26.09.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung
Galerie Steinek: Kopflos - Kunstbuero: Riesig - Grita Insam: Rasant

kunstraum

Auf den ersten Blick wirkt Sébastien de Ganays Ausstellung wie ein sympathisches, wenngleich sinnloses Tohuwabohu. Kartonkisten fahren im Kreis, leere Plastikflaschen und Dosen liegen am Boden, die Wände schmücken bunte Motive, große Bilder zeigen einen Mann, der eine Schachtel auf dem Kopf trägt (9000 €). Ganay malt mit Öl auf Plastikfolie und faltet die Bilder, was ihnen einen objekthaften Charakter verleiht. "Living in a box": Hinter dem vordergründigen Wirbel zieht sich eine zweite Ebene, mit der Ganay Erfahrungen aus seinem Herkunftsland Argentinien vermittelt. Schachteln und Müll fungieren dabei als Symbol für die südamerikanischen Favelas mit ihren zusammengeschusterten Behausungen. Im Zentrum von Ganays Collagen (3600 €) steht eine Frau in Dienstbotenkleidung. Das grimassierende Gesicht des Künstlers umkreist sie wie ein spöttischer Kommentar zu dieser überkommenen Uniform. (Bis 28. 10., Himmelpfortg. 22, Wien 1)

Kunstbuero: Riesig

Freiheitsdrang, Chaos, Nonkonformismus bis in den Größenwahn: Halb ironisch bezieht sich Siggi Hofer in seinem neuen Video auf diese stereotypen Künstlereigenschaften. Die Kamera fährt durch ein angeräumtes Atelier, wo die Kunst nur so wuchert. Der Künstler, als Häuptling seiner Welt verkleidet, verspeist einstweilen Kuchen auf dem Kasten. Säuberlich geordnet erscheint dagegen die Landschaft, die Hofer in einem sehr feinen Aquarell von drei Figuren anlegen lässt. Fragen der Proportionalität spielen hier überall eine wichtige Rolle. "Voglio spazio per crescere" verkündet Hofer schon im Ausstellungstitel und verleiht seinem Wunsch nach mehr Platz mit einem überdimensionalen Selbstporträt Geltung: Der hölzerne Riese liegt auf den Knien und streckt die Arme zur Seite. Da fällt einem gleich noch ein Künstlermythos ein: Der Leidende, der sich für seine Schöpfungen aufopfert. (Bis 5. 11., Schadekg. 6-8, Wien 6)

Grita Insam: Rasant

Um Größenwahn, persönlichen wie nationalen, geht es auch in der Ausstellung des 1964 geborenen Spaniers Mateo Maté. In ihren schönen neuen Galerieräumen zeigt Grita Insam die Ausstellung "Delirios de Grandeza". Maté verknüpft Inventar aus dem Haushalt mit politischen Repräsentationsformen. Beim Eingang hängen Fahnen aus rot-weiß-kariertem Tischtuchstoff. Für echte Patrioten hält Maté eine Herdplatte in der Form Spaniens (5500 €) und einen Tisch in der von Österreich (6000 €) bereit. Wohnungspläne, in die Feldzüge und Kampfstrategien eingezeichnet sind, sehen verdächtig nach Rosenkrieg aus. In seinem rasanten Video "Nacionalismo Doméstico" schneidet der Madrilene Koch- und Tafelszenen mit Ausschnitten aus Kriegsfilmen derart zusammen, dass das Zuschneiden für den Verzehr immer mehr mit dem Abstechen des Gegners verschmilzt. (Bis 29. 10., An der Hülben 3, Wien 1) Nicole Scheyerer

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