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Generali und Bawag unter ein Dach

05.09.2007 | 18:37 | ALMUTH SPIEGLER (Die Presse)

Firmensammlungen. Nobilitierungen, Verkäufe und Zusammenlegungen.

Kunst ist von Bedeutung“, lässt Franz West uns durch eine Collage von 1977 ausrichten, jetzt hängt das Blatt im hauseigenen Kunstforum der BA-CA, die hier gerade einen Monat lang die jüngeren Ankäufe für ihre Firmensammlung ausstellt. Der Einblick in die seit 60 Jahren zusammengetragene und von Leiterin Ariane Neuberger zuletzt auf Kunst der vergangenen zehn Jahre konzentrierte Kollektion ist eher enttäuschend: Gesammelt wurden bis auf wenige Ausnahmen großformatige, brave Gemälde marktkonformer österreichischer Künstler zur repräsentativen Bürobeschmückung.

Weder wurde hier groß investiert und ein hohes Ziel gesteckt, wie es der „Verbund“ tat, der zwar im Eiltempo, aber mit einer beachtlichen Million Euro pro Jahr eine u.a. auf internationale feministische Performancekunst fußende Paradesammlung aufbaute, zurzeit im MAK zu sehen. Noch hat man sich hier wie die „Erste Bank“ bemüht, eine kunsthistorische Lücke zu füllen, Kunst aus Osteuropa. Oder wie die Generali Foundation über Jahre konsequent an einem unpopulären Thema, der Konzeptkunst, zu arbeiten, was international Renommee bringt.

Der Generali- und der Bawag-Foundation stehen übrigens gravierende Veränderungen bevor: Nachdem die Generali an der Bawag beteiligt ist und der Standort der Bawag Foundation in der Tuchlauben ein teurer ist, werden die Kunstinstitutionen an einer Adresse, der Wiedner Hauptstraße, konzentriert. Die Generali-Halle soll abwechselnd bespielt werden, am jeweiligen Personal und Konzept sich aber nichts ändern, so ein Bawag-Sprecher am Mittwoch.

Auch bei der T-Mobile-Sammlung kann es zu Veränderungen kommen, der neue T-Mobile-Generaldirektor Robert Chvatal wird der blutjungen Kollektion wohl eine eigene Handschrift verleihen wollen – Kunstpreis und Ateliers bleiben jedenfalls bestehen, so Sammlungsbetreuer Hans-Peter Wipplinger von „art:phalanx“.


Wertsteigerung durch Museen

Der Sehnsuchtsort jeder Firmensammlung ist jedenfalls das nobilitierende Museum, das immer öfter auch erreicht wird, auch international, wie die Zeichnungen der UBS in der Tate Modern in London zeigen. Galerienverbandspräsident Christian Meyer zweifelt zwar daran, dass überhaupt ein österreichisches Museum den Wert einer Sammlung zeitgenössischer Kunst steigern könnte – „sie haben nicht diese Definitionsmacht“ –, er räumt aber ein, dass „jede ernsthafte Umgebung“ für Kunst wertsteigernd ist. Vorausgesetzt, wie in der Werbung, „das Produkt läuft schon“, so Meyer. Eine Ausstellung in einem Museum kann einen Aufwärtstrend also nur verstärken, nicht aber auslösen.

Darin bestätigt Meyer auch der Chef der Kunstauktionen „im Kinsky“, Otto Hans Ressler, der allerdings die österreichischen Museen in Schutz nimmt, „wir sollten unser Licht nicht unter einen Scheffel stellen“. Ressler: „Der Hinweis, dass ein Werk etwa im Belvedere ausgestellt war, wirkt sich sehr wohl auf den Preis aus. Die Leute kaufen nicht nur Bilder, sondern auch die Geschichte dazu.“

Einen interessanten Beweis dafür könnte die nächste Zeitgenossen-Auktion Ende Oktober bringen (aufgrund des großen Erfolgs in der Frühjahrssaison wird „im Kinsky“ in Zukunft vier statt nur zwei Zeitgenossen-Auktionen pro Jahr veranstalten): Zur Ausrufung kommt ein monumentales Bild von Hollegha, das als langjährige Leihgabe „eines österreichischen Industrieunternehmens“, so Ressler, in der Albertina hing, allerdings nur im Bürotrakt, was „an der Geschichte aber nichts ändert und den Preis natürlich beeinflusst“. Auf 100.000 bis 200.000Euro wird das 3,58 mal sieben Meter große Bild jetzt geschätzt. Es kommt, wie „Presse“-Recherchen ergaben, aus der Sammlung der Austrian Airlines.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2007)


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