14.04.2003 13:24
Freiheitliche wittern "Skandal" in Ausstellung
Video der Mexikanerin Margolles in der Kunsthalle
sei "krankes und pietätloses Schauspiel" - Ausstellungshaus ortet "Ruf nach
Zensur"
Wien - Heftige Kritik an einem Teil der derzeit im
project space der Kunsthalle Wien laufenden Ausstellung der mexikanischen
Künstlerin Teresa Margolles äußerten die freiheitlichen Wiener
Landtagsabgeordneten Heidemarie Unterreiner und Heinz-Christian Strache Montag
Vormittag in einem Pressegespräch. Dabei geht es um ein Video, in dem die
Künstlerin beim Hantieren mit einem tot geborenen Kind einer Freundin zu sehen
ist, sowie um den betreffenden Begleittext dazu. Die FPÖ sieht moralische
Grundwerte verletzt, lässt rechtliche Schritte prüfen und ruft nach einem
Einschreiten der Politik.
"Störung der Totenruhe"
"Für mich
ist das ein Skandal, bei dem man vorgehen muss", meinte Strache, der
Bürgermeister wäre gefordert, diesem "grausamen, menschenverachtenden, kranken
und pietätlosen Schauspiel, das sich derzeit in der Kunsthalle abspielt, ein
Ende zu setzen". "Bei uns wäre ein Handlungsakt wie der am Video gezeigte klar
verboten", sagte Strache, der in den gezeigten und beschriebenen Vorgangsweisen
(die laut Kunsthalle die "Transformierung des toten Kindes in eine Skulptur"
zeigen) eine Störung der Totenruhe und die Misshandlung eines Leichnams sieht.
Die FPÖ lässt nun von einem Anwalt prüfen, wie weit gegen die Ausstellung selbst
- etwa wegen Verletzung des Öffentlichen Anstands - rechtlich vorgegangen werden
kann.
Wiener Freiheitliche erwarten Machtwort des
Bürgermeisters
Keinen Zweifel lassen die beiden FP-Politiker daran,
dass sie jenseits von juristischen Aspekten auch eine politische Verantwortung
einmahnen und von Häupl die Erlassung eines "Ausstellungsstopps" für die bis 4.
Mai angesetzte Schau verlangen. Strache: "Hier ist der Bürgermeister gefordert,
ein Machtwort zu sprechen."
Provokation in der Kunst habe
Grenzen
"Verabscheuungswürdig und Ekel erregend" fand die
Kultursprecherin der Wiener Freiheitlichen, Heidemarie Unterreiner, das auf dem
Video Gezeigte, "Hier setzt sich eine Frau über Dinge hinweg, die Grundkonsens
sind". "Man kann über alles diskutieren, man soll aber nicht alles zur Schau
stellen", meinte Strache: "Ich denke, in der Kunst ist Provokation
selbstverständlich zulässig, aber auch das hat Grenzen. Und die sind hier bei
weitem überschritten worden." Hier handle es sich, so Strache, um den Missbrauch
eines Leichnams für die Kunst": "Das kann nicht unter dem Deckmantel der Kunst
dargestellt werden. Das hat sich die Kunst und das haben sich die Steuerzahler
nicht verdient."
"Subventionsfreibrief für alle möglichen
Abartigkeiten "
In diesem Zusammenhang kritisieren die Wiener
Freiheitlichen die Ausstattung der Kunsthalle mit einem Dreijahres-Vertrag und
urgieren "Mechanismen, dass man vorinformiert wird." Strache: "Es kann ja keinen
Subventionsfreibrief für alle möglichen Abartigkeiten
geben."
Kunsthalle: Mahnmal für den Raubkapitalismus, der
Menschenwürde mit Füßen tritt
"Teresa Margolles arbeitet bewusst und
seit vielen Jahren mit Toten und den Spuren, die sie hinterlassen, um etwas von
ihrer Existenz im kollektiven Bewusstsein zu bewahren", heißt es in einer
Stellungnahme der Kunsthalle zu dem gezeigten Video. "Die Künstlerin zeigt mit
dieser Arbeit das Schicksal eines Babies vor der Folie des globalen
Raubkapitalismus, der Menschenwürde mit Füßen tritt, entreißt ihm so dem
Vergessen und setzt ihm - stellvertretend für tausende andere - ein
Mahnmal."
"Kaum maskierter Ruf nach Zensur"
"Die Kunsthalle
Wien macht es sich zur Aufgabe, neben der Vermittlung von Kunst aus der
westlichen Welt auch kontroversielle Kunst aus wahrnehmungslogistisch
unterbelichteten Zonen der Welt zu zeigen", heißt es in der Aussendung weiter,
"Die Forderung der FPÖ nach Reglementierung und Kontrolle von
Kulturinstitutionen durch die Subventionsgeber scheint der kaum maskierte Ruf
nach Zensur zu sein." Eine "direkte Einmischung von Politikern in die Inhalte"
erinnere "eher an doktrinäre Regime als an einen Staat, der sich als weltoffen
und dialogbereit versteht". (APA)