| Das Meer als Beispiel | |
|
Es ist nicht die antiquarische Zukunft, die Sekula interessiert, sondern die kritische Bestandsaufnahme der Gegenwart, in der die ökonomischen Bedingungen eine zentrale Rolle spielen. |
Für seinen international viel
diskutierten Bild-Text-Essay "Fish Story" setzte sich Sekula mit Häfen und
Seefahrt auseinander, den zeitgenössischen Inkarnationen globaler
Arbeitsteilung, Entfremdung und Ausbeutung. Diesen Fotozyklus, für den er sich lange Zeit auf Schleppern,
Hafenarbeitsschiffen oder Lastschiffen aufhielt, präsentierte Sekula auf
der documenta 11 und wurde so international einem breiteren
Publikum bekannt. "Fish Story" wird in der Generali Foundation nicht
gezeigt, da diese umfangreiche Arbeit nach einer eigenen Ausstellung
verlangen würde, so Kuratorin Breitwieser. Maritime Oper Das Meer als Austragungsort der ökonomischen und ökologischen Folgen
der Globalisierung ist dennoch vielfältig in der Ausstellung vertreten. So
in seiner jüngsten Arbeit "Black Tide/Marea Negra" über die Ölkatastrophe
nach der Havarie des Tankers "Prestige" vor der Küste Galiciens. Auf
Einladung der Tageszeitung La Vanguardia entwickelte Sekula ein Projekt,
in dem er parallel zur Fotoserie ein Opernlibretto verfasste. Im Dorf
Muxia, das als erstes vom Öl heimgesucht wurde, soll diese Oper am 19.
November 2032 in galizischer Sprache aufgeführt werden. Denn in dreißig
Jahren soll man dort wieder ölfrei fischen können. In die Performance kippen Anknüpfend an eigene frühe Arbeiten, in denen Sekula als Akteur in
Erscheinung trat, ist auch ein Bild von ihm selbst im Zyklus "Black Tide"
zu entdecken. Sekula ist vor allem an dem Moment interessiert, an dem
scheinbar geordnete und geregelte Arbeitsabläufe ins Fiktive kippen und
die Arbeitswelt selbst ihr Performancepotenzial freisetzt. So arbeitete Sekula in den 70er Jahren in einem Restaurant. Hier
entstand sein Fotoroman "This Ain't China", und immer wieder verwandelt
sich die ganz reale Arbeitssituation in eine "Performance under working
conditions".
Die mögliche Theatralität des gewöhnlichen Alltags fasziniert Sekula.
Doch obwohl er in seinen frühen Arbeiten durchaus als Akteur in
Erscheinung trat, so interessierte ihn doch zunehmend die Dokumentation
mehr als die Aktion. Zu fragen bleibt, welche Aktionen die Dokumentation
selbst hervorzubringen vermag. Link:
| ||||