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Kunstberichte

Der Tau der Füße

Aufzählung (cai) Männer stammen doch nicht vom Mars. Und Frauen nicht von der Venus. Die Männer kommen vielmehr vom Fußball. Und die Frauen? Na ja, die kommen vom brennenden Fuß ballen (jedenfalls die, die auf die koketten hohen Absätze hereinfallen). Madeleine Berkhemer fährt offensichtlich auf Stilettos ab. Was derzeit in der Galerie Mauroner herumsteht, sind ja sicherlich Andachtsobjekte zur kultischen Verehrung der unteren Extremitäten unter besonderer Berücksichtigung des die Füße verherrlichenden Schuhwerks. (Und der Nylonstrumpfhose.)

Die Holländerin benimmt sich eigentlich wie eine Männerfantasie. Ein bissl Autoerotik, viel Sex-Appeal. In einer gschmackigen Bronzeskulptur wächst ihr aus der nackten Ferse ein spitzer Stöckel. Tja, Bienen haben ihren Stachel am Hintern , Frauen halt an der Ferse. Und das weiße Plastikpferd, das sich rettungslos in roten Strumpfhosen verheddert hat, sieht mit seinem graziösen rechten Vorderbein irgendwie sexy aus. (Hm. Gibt es also nicht nur den sprichwörtlichen Elefanten im Porzellanladen, sondern auch den Lipizzaner im Strumpfgeschäft?)

Wenn Berkhemer Plastikbecher veredelt (mit Strumpffragmenten überzieht und hübsch bemalt) und wie Reliquien in Schuhschachteln präsentiert, könnte das eine Hommage ans schwüle Milieu im Schuh sein. Womöglich sind das ja Kelche, die den Fußschweiß, äh: den Fuß-Tau, auffangen sollen, dieses Parfum, kostbarer als "Chanel Nr. 5". (Für Fußfetischisten zumindest.) Andererseits sind das die Originaltrinkbecher aus Lourdes. Die Botschaft ist also hoffentlich eine komplett andere. Negativ fallen in der durch und durch sinnlichen Schau freilich peinlich pornografische Malereien auf. Intime Selbstporträts. Vagina-Bildnisse. Oh, wie originell. Ob es sich dabei um feministischen Exhibitionismus handelt? Eher nicht.

Galerie Mauroner

(Weihburggasse 26) Madeleine Berkhemer Bis 10. Jänner Di. – Fr.: 11 – 19 Uhr Sa.: 11 – 16 Uhr

Der Vanillekipferl-Effekt

Aufzählung (cai)Das da mit den Flügerln, das sind natürlich keine Weihnachtsengerln. Das sind Raben. Der Paul Flora ist ja nicht das Christkind. Und der Weihnachtsmann ist er schon gar nicht. Wenn bei ihm einer eine rote Nase hat, ist das im Zweifelsfall immer ein beduselter Tiroler. Und kein Rudolph. Und wenn seinen liebenswerten Kreaturen abenteuerliche Imponiergewächse aus dem Schädel sprießen, dann bestimmt kein Rentiergeweih, sondern ein Regenschirm. Oder ein Weinglas. Floras Bildwelt mit ihrem prägnanten Humor und Strich ist so beständig, da wird einem richtig nostalgisch zumute. Wie beim Kauen von Kokosbusserln. Die Evolution treibt er trotzdem sanft voran. Die Topfpflanzen sind neuerdings Zweibeiner und haben einen Fluchtinstinkt. Und sein Monsieur Corbeau, der zivilisierte Rabe, hat einen deutschen Verwandten: Herrn Kolk. Eventuell ein Bayer. Ein Rabe mit Weißwurscht- bzw. Bierbauch. Allerdings ohne Lederhosen. Und was ist der Vanillekipferl-Effekt? Na ja, beim Anschauen dieser Blätter gehen einem die Mundwinkel nach oben wie die Enden vom Vanillekipferl.

Galerie Gerersdorfer

(Währinger Straße 12) Paul Flora Bis 23. Dezember Mi. – So.: 11 – 20 Uhr

Goldfisch entschwommen!

Aufzählung (cai)Kanaris entfliegen, Goldfische ...nein, die entschwimmen normalerweise eh nicht. Höchstens bei "Flut" (bei Hochwasser). Ein verlassenes Aquarium, leere Vogelkäfige: Die über die Galerie verteilten trostlosen Requisiten verstärken die elegische Atmosphäre in den Fotos an den Wänden noch. Andrea Witzmann hat unser recht morbides Verhältnis zur Natur eingefangen. Eine nicht mehr ganz taufrische Veranda am Meer, ein schäbiges Regal mit einsamen Trauben, Müll im Grünen. Stimmig.

Layr Wuestenhagen

Contemporary (An der Hülben 2) Andrea Witzmann Bis 10. Jänner Di. – Fr.: 11 - 18 Uhr Sa.: 11 – 16 Uhr

Printausgabe vom Mittwoch, 17. Dezember 2008

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