Weit offen standen die Türen des KHM noch nie, meist weiß man nicht, an welchem der vielen schweren Eingangstore gerüttelt werden soll, nachdem man zufällig den richtigen U-Bahn-Ausgang erwischt hat – denn angeschrieben ist eines der „Top-5-Museen der Welt“ (Haag) nicht. 70 % der rückläufigen KHM-Besucherzahlen kommen sowieso per Bus, sind Touristen. Das muss sich ändern, damit das Haus lebendig bleibt, weiß auch die neue Generaldirektorin, Sabine Haag – seit zwei Wochen „endlich“ im Amt. Ihr bei der Antrittspressekonferenz am Freitag verkündetes Motto „Öffnen und eröffnen“ darf also nicht als Floskel verstanden werden, sondern als programmatische Kampfansage. Erste Manifestation: „Open House“, 24.Jänner, freier Eintritt in alle KHM-Sammlungen.
Kleinere Ausstellungen, Gegenwartskunst
Wie die im Vergleich mit ihren Kollegen (noch) wunderbar unprätentiöse Neodirektorin aber prinzipiell eine stärkere Verankerung des Hauses bei den Wienern erreichen will, ließ sie eher vage: An individuelleren Eintrittspreisen und neuen Vermittlungsprogrammen werde gearbeitet, außerdem soll es öfter wechselnde, kleinere Ausstellungen geben, etwa ein „Kunstwerk des Monats“ oder Interventionen lebender Künstler. Jedenfalls setzt Haag nicht auf Blockbuster-Ausstellungen, die ihrer Meinung nach das Programm bisher prägten. Diese könne sie sich schlicht nicht mehr leisten und sehe sie auch nicht als Aufgabe des KHM. Eine repräsentable Ausstellung pro Jahr werde es trotzdem geben: Heuer ist diese – neben einer Schau zur Interieurmalerei – Karl dem Kühnen gewidmet, übrigens in den sonst leer stehenden Räumen der Kunstkammer.
Deren Eröffnung Ende 2011 ist sowieso Haags Herzensangelegenheit, für die benötigten 17 Mio. Euro hofft sie auf die Budgetverhandlungen der Regierung, Ministerin Schmied habe ihr mehrmals Unterstützung versprochen. Und auch für den täglichen Betrieb brauche sie dringend zwei Mio. mehr Basisabgeltung (bisher 22 Mio.). Neben den alten Baustellen – Kunstkammer, Neueinrichtung von Völkerkunde- und Theatermuseum – wird Haag auch an einem weiteren ewigen KHM-Projekt festhalten: der Schaffung eines würdigen Sonderausstellungsraums. Allerdings nicht, wie Seipel es favorisierte, in einem überdachten Innenhof. Haag kehrt zur alten „großen Vision“ zurück: der Unterbauung des Maria-Theresien-Platzes. Kosten: 45 Mio. Euro. Dafür wird sie dann wohl dringend jene von ihr erwähnten Sponsoren brauchen, die bisher am KHM wenig Interesse gehabt hätten und die sie, als neue Direktorin, jetzt anzulocken gedenke.
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