Nach Renovierung und Umbau: Das 20er-Haus wurde zum 21er-Haus

Ein neues altes Gesicht


Wien.

Diese Hallen werden mit Kunst nach 1945 gefüllt werden.

Diese Hallen werden mit Kunst nach 1945 gefüllt werden.© APA/GEORG HOCHMUTH Diese Hallen werden mit Kunst nach 1945 gefüllt werden.© APA/GEORG HOCHMUTH

Etwa drei Jahre nach dem ersten Spatenstich steht das 20er-Haus nun kurz davor, wiederaufzuerstehen: Der ehemalige Weltausstellungspavillon von 1956 wurde 1962 von Werner Hofmann als "Museum des 20. Jahrhunderts" begründet. Der Schüler des Originalarchitekten Karl Schwanzers, Adolf Krischanitz, hat nun dem Umbau eine zeitgemäße Anmutung verliehen.

Das Museum im Schweizergarten hat bereits einige gravierende Veränderungen erfahren. Das betrifft nicht nur den neuen Büroturm. Von der Arsenalstraße her gab es an der Front die Absenkung eines früheren Grabens zu einem Atrium, in dem neben Säuleneiben in der warmen Jahreszeit Besucher im Café sitzen können.

Der Gewinn von zwei Tiefgeschoßen war notwendig, um den Wotrubanachlass, ein Kinderatelier und Räume für enorm erweiterte Technik sowie ein Depot unterzubringen. Im zweiten Keller wird die Artothek des Bundes untergebracht, aus der das Belvedere ab 2012 Werke zeigen wird. Wotrubas Skulpturen werden im weiß-rot gestrichenen Café sichtbar sein und auch einen kleinen Innenhof bestücken. Somit kehrt der Klassiker "heim", denn ein großes Relief war ehedem vor dem Haus situiert.

Der Skulpturengarten, einstiger Stolz des Gründers, steht mit Wasserbecken zum Park hin bereit, um aktuelle Kunstwerke aufzunehmen. Ein bekanntes Künstlerpaar ist bereits eingezogen: Franziska und Lois Weinbergers extra errichtete Käfigskulptur im erhöhten Seitenterrain wartet in harmonischer Dimension auf das Zufliegen von Ruderalen und die Blicke der Besucher.

Sonst zeigt sich die architektonische Hülle noch nackt und ohne Möbel, der Shop wird dann zur Eröffnung am 15. November fertig sein, zuletzt folgt der Büroturm. Das Kino ist unverändert, bis auf neue Sesselbezüge und eingelassene Holzbögen, die Geräte im Vorführraum zählen zu den herben Verlusten wie die Neonunterschrift von Schwanzer vor dem Bau.

Im unteren Bereich des Hauptraumes - mit jenem legendären Schwebezustand durch den erhöhten Blick in den Garten - musste die hängende Stiege weichen; hier siegte feuerpolizeiliche Vorschrift über den Denkmalschutz. Krischanitz hat allerdings die seitlich abgeschlossenen Aufgänge mit dem gleichen Material aus Granit belegt wie die alte Verplattung, die zwar ausgetauscht werden musste, aber wie die Glasflächen den ursprünglichen Effekt erzeugt.

Die besondere Lichtsituation des Hauses zeigt sich im Obergeschoß, das wieder für eine permanente Ausstellung genützt werden wird, allerdings unter einer wegen Klimaanlage und feuerfesten Vorhängen sehr viel schwereren Decke. Durch die parallel gelegten Neonröhren, den grauen Linoleumfußboden und das nur ergänzte alte Geländer zur offenen Mitte hin entwickeln sich für alle, die dieses Haus für den schönsten Ausstellungsplatz Wiens halten, wohlig bekannte Blickwinkel.

Selbst das alte Logo wurde adaptiert. Wilhelm Gaube wird einen Zusammenschnitt historischer Filmaufnahmen im Kino zeigen und die ersten Interventionen nach Marco Lulic’ "Museum of Revolution" von Marcus Geiger und Florian Hecker werden von den Kuratorinnen Cosima Rainer und Bettina Steinbrügge bereits vorgestellt zu ihrem Programm von Kunst ab 1945, mit Schwerpunkt Gegenwart.

Mit den ersten Ausstellungen ab November wird sich zeigen, welches mobile Stellwandsystem noch zusätzlich in dieses neue und nicht alternde Gebäude kommt.




URL: http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/kultur/kunst/?em_cnt=398368&em_loc=77
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