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| Für Oscar
nominierter "Copy Shop": Alptraum in Endlosschleife Ein Mann wacht auf, geht ins Bad und sieht beim Blick zurück ins Schlafzimmer die eben erlebte Szene nochmals von außen: sich selbst erwachen und ins Bad gehen nämlich. Wien (APA) - Dieses spezielle Deja-Vu-Erlebnis wächst sich in Virgil Widrichs Oscar-nominiertem Kurzfilm "Copy Shop" zu einem Alptraum in der Endlosschleife aus, geträumt von einem Copyshop-Betreiber, der sich so oft selbst vervielfältigt, bis alles nur mehr von seinen Doppelgängern bevölkert ist. Ein vieldeutiges, rätselhaftes Stück Kinomagie, für das Widrich eine perfekte formale Entsprechung gefunden hat.Wie eine monotone Tätigkeit, die einem bis in den Traum verfolgt, schiebt sich am Filmanfang der Lichtbalken eines Kopierautomaten über das Bild des schlafenden Copyshop-Betreibers Alfred Kager (Johannes Silberschneider) und zerhackt sein Erwachen in einzelne Papier-Abzüge. Nach der eingangs beschriebenen Begegnung mit seinem leibhaftigen Abbild erlebt der Filmheld die zweite Irritation dann in seinem Laden, als der Kopierautomat nämlich plötzlich Bilder aus seinem Leben ausspuckt - eben genau den Anfang des Films "Copy Shop". Als der Held den Mechanismus der Vervielfältigung seines Lebens begreift, kämpft er nicht nur gegen ein Heer von sich ständig potenzierenden Doppelgängern, sondern vor allem gegen die Bilder, die sie kopieren - und damit gegen den Film selbst, in dem er unentrinnbar gefangen ist. Denn auch das (vermeintliche) Ende des Films bzw. Traums, in dem Kager von einem Fabrikschlot auf eine unüberschaubare Menge seiner Wiedergänger in den Tod stürzt, wird in die Unendlichkeit reproduziert werden. Widrichs Metapher für die Unentrinnbarkeit des Schicksals und zugleich Reflexion über die Frage nach der Identität im Kino verweist auch formal immer wieder auf sich selbst: Der zwölf-Minuten-Streifen wurde zunächst als farbiges Digital-Video gedreht, anschließend wurden die rund 18.000 Filmkader mit einem Laserdrucker ausgedruckt, schwarz-weiß kopiert, am Tricktisch animiert und schließlich wieder auf 35 Millimeter abgefilmt. Wobei das sich steigernde Tempo, mit dem in der Geschichte die Einzelbilder vervielfältigt werden, auch den Rhythmus des Films beschleunigt und Eselsohren oder Risse im Papier bewusst deutliche Spuren seiner Herstellung hinterlassen. "Das verschwommene Schwarz-Weiß erweckt den Eindruck, als handle es sich um einen verlorenen Murnau-Film", befand "The Guardian". Widrich selbst erzählt von seiner Faszination durch den französischen Stummfilmregisseur Georges Melies (1861-1938), in dessen fantastischen Zauberfilmen Leute durch die Wand gehen oder sich vervielfältigen. "Copy Shop" spielt mit der Stummfilm-Ästhetik der 30er Jahre, bricht sie aber immer wieder. Das Fabriksgelände - gefilmt in der Wiener Stadlauerstraße - könnte im New York der Jahrhundertwende liegen. Das Kopiergerät, ein Auto oder ein Passant, der sich - wie alle Menschen im Lauf des Films - in einen Doppelgänger des Helden verwandelt, entstammen aber eindeutig der Gegenwart. Der Film kommt ohne Sprache aus, die Musik von Alexander Zlamal erinnert an Phil Glass und an Michael Nyman, den Filmkomponisten Peter Greenaways - ebenfalls ein Regisseur, dem Widrich sich nahe fühlt. Die Seele und das Zentrum von "Copy Shop" ist Johannes Silberschneider, der in insgesamt 280 Rollen zu sehen ist und den Zuschauer mitnimmt in seine wachsende Verstörung und Orientierungslosigkeit. "Er muss ständig gut schauen, das hat sehr viel mit Denken zu tun", erklärt Virgil Widrich, "er muss dauernd allein herumstehen und so tun, als ob es ihn mehrmals gibt. Das ist sehr, sehr schwer." "Copy Shop" ist bei Polyfilm, Bestell Nr. PF0012, auf Video erhältlich: Tel. 01/54 666 66 2002-03-14 10:55:01 |