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Eröffnung Dienstag 6. Juli 2004
um 19 Uhr
ATELIER VAN LIESHOUT: ZWANG
Joep van Lieshout ist anwesend.
Ausstellungsdauer: 6. Juli –
7. August 2004
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 12-18 Uhr, Samstag 11-16
Uhr
Zwangsfütterung und Verdauung sind die Themen der aktuellen
Ausstellung von Atelier van Lieshout. Seit den 80er Jahren wurde Joep van
Lieshout (*1963), der 1995 das Atelier van Lieshout (AVL) gründete, im Rahmen
dessen als Gemeinschaftsarbeiten farbenfrohe, modulare
Fiberglas-Möbelversatzstücke und Objekte entstehen. Diese eingängigen,
künstlerischen Gestaltungslösungen, die häufig eine Nähe zum Design, zur
Architektur oder zur Populärwissenschaft aufweisen, sind das Markenzeichen
dieses Künstlerkollektivs geworden. Dennoch beschäftigt sich Atelier van
Lieshout auch mit tabuisierten oder sexuell konotierten Themen.
Auch
diese Art der Grenzbereiche werden augenfällig groß zur Schau gestellt. In der
aktuellen Präsentation sind es die physiologischen Zwänge, die anhand von
Großskulpturen untersucht werden. Zwangsfütterungen ("Mini-Feeder") und
menschlichen Biogasproduktionen stehen überdimensionale anatomische Modelle von
Herz, Leber, Gurgel, Anus und Penis gegenüber. Fäkalische Themen, ebenso wie die
Konfrontation des Betrachters mit menschlichen Organen - also seinem eignen
Inneren - löst überraschender Weise keinen Ekel aus, sondern erweist sich als
surrealer, minimalistischer und utopischer Kommentar zu diesen "boundaries" des
Geschmacks und der Empfindlichkeiten.
Um den Charakter seiner
Großskulpturen als Gemeinschaftsprojekte zu betonen, entwickelte Joep van
Lieshout eine gut organisierte Werkstattsituation in Rotterdam. 2001
institutionalisierte sich sogar die AVL Ville, ein autonomer Staat,
situiert im Rotterdamer Hafen, der seine eigene Verfassung, seine eigene Flagge
und sein eigenes Geld besitzt.
Atelier van Lieshout: Der Gründer
Joep van Lieshout wurde 1963 in Ravenstein, Niederlande, geboren und lebt und
arbeitet in Rotterdam. In den 80er Jahren brachten ihm seine ersten Bücherregale
und Tische aus buntem Fiberglas das Unverständnis der Designer ein, weil diese
als Eingriff in ihr Terrain verstanden wurden und nicht als autonome Kunstwerke.
1992 erhielt er den nationalen niederländischen Kunstpreis "prix de Rome", dem
zahlreiche internationale Preise folgten. Zahlreiche Einzelausstellungen in
großen Museen (PS1, New York, Museum für Gegenwartskunst in Zürich, Sprengel
Museum, Hannover etc.) und Ankäufe bedeutender öffentlicher Sammlungen machten
seine Arbeiten im letzten Jahrzehnt international bekannt. Krinzinger Projekte
zeigte 2002 Arbeiten von Atelier van Lieshout in der Ausstellung "Politically
Correct? Dutch!".
Atelier van Lieshout ist die zweite niederländische Ausstellung in Folge, die in
der Galerie Krinzinger gezeigt wird. Im Juni wurde Erik van Lieshout
präsentiert. Die Namensgleichheit führt häufig zur Verwechslung der beiden
Künstler, die beide in Rotterdam arbeiten.