Wie Michelangelo oder Raffael ist auch Rembrandt
der Welt nur unter seinem Vornamen bekannt. Doch der war so selten, dass
Verwechslungen ausgeschlossen sind. Neben Leonardo ist er der wohl
berühmteste Maler der Welt und seine "Nachtwache" fast so populär wie die
"Mona Lisa".
Dennoch ist vieles an diesem Mann bis heute ein Rätsel. Das beginnt
schon bei seinem Geburtsdatum, das von der Fachwelt auf den 15. Juli 1606
festgelegt wurde, doch ebenso gut ein Jahr später sein könnte. Wir könnten
zweimal seinen 400. Geburtstag feiern.
Im offiziellen Rembrandt-Jahr lässt sich Berlin nicht übertrumpfen: Die
Ausstellungstrilogie ist größer als in Rembrandts Heimat. Fast 300 Werke,
darunter 70 Gemälde, und mehr als 100 Handzeichnungen sowie Druckgrafiken
werden in der Gemäldegalerie und im Kupferstichkabinett gezeigt. Hinzu
kommen Bilder aus seiner Werkstatt und von seinen Schülern.
Die von der Berliner Gemäldegalerie und dem Amsterdamer "Rembrandthuis"
gemeinsam kuratierte Schau heißt "Rembrandt – Genie auf der Suche" und
macht sich selbst auf die Suche nach dem Genie. Wer war Rembrandt? War er
der große religiöse Maler, der tiefsinnige Psychologe, der meisterhafte
Handwerker des Chiaroscuro, der geschäftstüchtige Fließbandproduzent, der
anregende Lehrer – oder war er ein Maler, dessen "spätere Bilder aussehen
wie mit der Maurerkelle hingespachtelt" (van Houbraken), dessen Figuren
enorm hässlich waren und der ganz einfach "nicht schön malen konnte"
(Jacob Burckhardt), dessen Farben soßig, dessen Pinselstriche wattig sind?
Bis heute ein Mythos
Verachtet und bewundert – bis heute bleibt er ein Mythos. Rembrandt
Harmenszoon van Rijn, 1606 (oder 1607) in Leiden geboren, erhielt eine
gute Schulausbildung, was für Mitglieder der katholischen Minderheit
damals nicht selbstverständlich war. In Amsterdam gründete er eine
Malschule, heiratete die Nichte seines Kunsthändlers, Saskia, die ihn in
die Amsterdamer Gesellschaft einführte, sein Lieblingsmodell wurde und ihm
vier Kinder gebar. Ihr Tod war der Knick in seinem Leben, das ihn neben
Rubens zu einem der angesehensten Maler der Niederlande machte. Er starb
63-jährig in Armut.
Der Mythos Rembrandt wurde durch den Streit um die tatsächliche
Urheberschaft der ihm zugeschriebenen Bilder noch genährt. Letzte
Gewissheit darüber gibt es bis heute nicht. Lange Zeit warb Berlin mit dem
"echten" Rembrandt "Mann mit dem Goldhelm", der sich später als
Schülerarbeit herausstellte. Nach der letzten umfassenden Sichtung des
Zeichnungsbestands in den 50er-Jahren war eine Neubewertung überfällig.
Heute gilt nicht einmal die Hälfte der 126 "rembrandtesken" Zeichnungen
des Kupferstichkabinetts als vom Meister selbst geschaffen.
Dennoch konnte Berlin bedeutende Originale aus aller Welt
zusammentragen; etwa sein "(Dulwich-)Mädchen am Fenster" (1645) aus
London, "Die Heilige Familie" (1640) aus dem Louvre, oder das Bildnis
seines Sohnes "Titus van Rijn" (1656/57) aus Wien. Aber auch aus eigenen
Beständen steuerte die Gemäldegalerie etwa "Simson bedroht seinen
Schwiegervater" (1635) bei. Ergänzt wird die prachtvolle Exhibition durch
zwei weitere Ausstellungen im Kupferstichkabinett. Neben Amsterdam, Wien
und London besitzt es eine der reichsten Sammlungen von Zeichnungen und
Stichen des Niederländers.
Rembrandt – Genie
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Kulturforum Berlin
Bis 5. November
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Vielfältig.
Donnerstag, 10. August
2006