Die aktuellen Ausstellung im Leopold-Museum "Albin Egger-Lienz" gerät immer mehr zum Politikum. Losgetreten wurde die erneute Raubkunst-Debatte von den Grünen. Sie kritisierte, dass es sich bei 14 Gemälden der aktuellen Schau um Raubkunst handle. Der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, fordert nun die Schließung des Leopold Museums bis zu einer Novellierung des Kunstrückgabegesetzes.
Er empfinde es als eine "Verhöhnung der Opfer", dass Museumsdirektor Rudolf Leopold jeden Vorwurf von sich weise, sagte Muzicant am Sonntagabend der "Zeit im Bild" im ORF. Die Bilder von Klimt, Schiele und Egger-Lienz seien die Domäne von Leopold, so Muzicant, und dieser wisse "ganz genau, wem welches Bild gehört, wann es von wem gestohlen wurde".
"In gutem Glauben" erworben?
Rudolf Leopold selber sagte in Stellungnahmen und im Streit mit den Erben immer wieder, er haben die Bilder "in gutem Glauben" erworben. Diesen guten Glauben stellte auch der Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl infrage. Er legte vergangene Woche Belege für die Herkunft von Schieles "Häuser am Meer" vor: Sie sollen beweisen, dass man nicht erst bei der Öffnung der Archive 1998 erfahren habe, dass das Bild vor 1938 Jenny Steiner gehört habe. So wies ein Katalog Otto Nirensteins schon 1930 Jenny Steiner als Besitzerin aus. Rudolf Leopold selbst hatte sie 1970 in einer Publikation über Schiele angeführt.
Muzicant: Restitutionsgesetz auch für Leopold
Da die Stiftung Leopold im Grunde genommen der Republik gehöre, müsse das Restitutionsgesetz auch für das Leopold Museum gelten, meint auch Muzicant. Bis zu einer Novellierung des Gesetzes solle das Museum geschlossen bleiben, solange dort Raubkunst gezeigt werde. Muzicant sähe dies nicht zuletzt angesichts des heurigen Jahrestags des "Anschlusses" Österreichs an Nazi-Deutschland als begrüßenswertes Zeichen.
Die Republik hatte kürzlich in einer Stellungnahme zu der Diskussion die "moralische Verpflichtung" betont, der man bestmöglich nachkommen wolle. Derzeit werde ein Gutachten des Verfassungsrechtlers Walter Berka geprüft, das von der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) in Auftrag gegeben wurde. Danach wolle man über allfällige gesetzliche Schritte entscheiden.
Geht um Gesetz, nicht um einzelne Bilder
Gegenstand des vorliegenden Gutachtens zum Leopold Museum sind nicht einzelne Bilder, wie etwa das in den vergangenen Tagen viel diskutierte Gemälde "Waldinneres" von Albin Egger-Lienz, sondern die gesetzliche Situation der Privatstiftung Leopold.
Am 7. März tagt der Restitutionsbeirat unter Clemens Jabloner, der in einer Pressekonferenz am 26. März weitere Schritte zur Verbesserung der Kunstrückgabe der Bundesmuseen vorschlagen wird.
(APA/Red.)
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