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Kunstberichte

Galerie des Wiener Künstlerhauses: Robert Zahornicky zeigt Fotografien und Reißwolf-Kunst

Bilder wider die Sprachverwirrung

Ästhetische Schnipsel: Bei Robert Zahornicky entsteht Kunst im Reißwolf. Zahornicky

Ästhetische Schnipsel: Bei Robert Zahornicky entsteht Kunst im Reißwolf. Zahornicky

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Bibliotheken, Telefonbücher und nicht zuletzt das Amtsblatt der "Wiener Zeitung" ziehen den bekannten Fotografen Robert Zahornicky unwiderstehlich an. Doch während er die alten und neuen Bestände der Nationalbibliothek Regal für Regal dokumentiert hat und vergrößerte Aufnahmen als Ecklösungen montiert, wird sonst alles Lesbare durch den Shredder geschickt. Das Endprodukt wird gepresst und ergibt einen kleinen Kubus oder Würfel – kleiner im Format etwa im Fall von Antoine de Saint-Exuperys "Der kleine Prinz" oder dem Amtsblatt, größer bei Romanen oder Telefonbüchern.

Wunderschöne Einblicke bietet die Reise durch Aufnahmen der jeweiligen Schnipselgebirge. Namen sind rudimentär zu lesen, Rückschlüsse auf Orte somit möglich, durch andere Schriften auch auf entfernte Länder. Dahinter im grünlich-weißen Nebel nur Unschärfe: Ein Endlos-Loop lässt uns auch filmisch in die verschiedenen Projekte eintauchen. Ästhetisch ist diese Zerstörung und ohne melancholischen Rest.

Wir leben mit technischen und gesellschaftlichen Veränderungen, als ob es sie nicht gäbe: analoge Photographie ist von der digitalen Fotografie abgelöst worden, das zeigt sich auch in der neuen Schreibweise des Begriffs. Zahornicky macht uns auf die Spuren unserer Verweigerungen aufmerksam: Der Wunsch, so viel als möglich zu bewahren, wird wissenschaftlich als "Alexandrinismus" bezeichnet – nach jenem Ort, an dem die größte Bibliothek der Antike abbrannte; der Versuch unserer Tage, sie wieder zu beleben, ist aber gescheitert.

Der Fotograf zeigt aber auch, dass die Bibliotheken noch lange nicht im Cyberspace verschwunden sein werden. Selbst das Amtsblatt der "Wiener Zeitung" bekommt durch ihn künstlerische Dauerhaftigkeit verliehen. Eine Pflichtausstellung für alle, die Wissenschaft und Kunst, Wort und Bild und auch das Amtsblatt konzeptuell und ein bisschen ironisch kommentiert sehen wollen.

Mittwoch, 09. November 2005


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