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| 12.07.2006 - Kultur&Medien / Kultur News | ||
| "Jede Entscheidung hat ihre Gegner" | ||
| VON ALMUTH SPIEGLER | ||
| Interview. Akademie-Rektor Schmidt-Wulffen über neue Professuren und die Rückkehr des Kupferstichkabinetts. | ||
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Endlich schien Ruhe eingekehrt am Schillerplatz - nach dem abgelehnten Misstrauensantrag gegen Rektor Stephan Schmidt-Wulffen vor einem Jahr, nach der Präsentation seines neuen Entwicklungsplans - und nach für die Akademie schon traditionellen studentischen Unruhen im Zuge der letzten Professoren-Bestellungen im Frühjahr, Peter Kogler musste gehen. Jetzt kursierte wieder ein E-Mail, verschickt von einer Ex-Kogler-Schülerin, mit heftigen Vorwürfen ("Die Presse" berichtete am Montag). Schmidt-Wulffen wundert - und wehrt sich. Die Presse: Sie haben gestern Dorit
Margreiter als neue Professorin für Video und Video-Installation bestellt.
Ist es richtig, dass Sie ihr empfohlen haben, ihre Bewerbung für die
Kogler-Nachfolge zurückzuziehen, weil Sie sie lieber als neue
Video-Professorin wollten? Stephan Schmidt-Wulffen: Es ist heute
unmöglich, namhafte Künstler zu gewinnen, wenn sich der Rektor im Vorfeld
nicht extrem engagiert. Ein erfolgreicher Maler oder eine erfolgreiche
Malerin verdient heute durch den Verkauf eines einzigen Bildes das, was
wir ihnen für ein ganzes Jahr bieten. Natürlich hat es im Vorfeld nicht
nur von meiner Seite mit Margreiter Gespräche darüber gegeben, welche
Professur für sie die adäquate ist. Margreiter war übrigens im
Dreier-Vorschlag der Berufungskommission mit Abstand Erstplatzierte.
Mit Diedrich Diederichsen haben Sie auch einen großen Denker der
Pop-Kultur an die Akademie geholt, gratuliere Ihnen. Schmidt-Wulffen: Ja, er tritt für zwei
Jahre die Nachfolge von Ute Meta Bauer an und wird sich temporär mit Tom
Holert die Lehre teilen. Es scheint uns wichtig, die Aspekte von
Alltagskultur und Popkultur, die die letzten 20, 30 Jahre extrem geprägt
haben, in der Theorie stärker sichtbar zu machen. Und wer folgt Elke Krystufek nach, die ihre Professur aus
unbekannten Gründen zurückgelegt hat? Schmidt-Wulffen: Hans Scheirl, der die
von Krystufek ins Haus gebrachte Thematisierung der Geschlechterrollen
weiterführen wird. Das war auch ein Wunsch der Studierenden, den wir
berücksichtigt haben. Anders als bei Kogler. Nur zwei Tage vor Semesterbeginn soll er
erfahren haben, dass Constanze Ruhm seine Klasse übernimmt. Einige
Vertreter der Klasse waren empört - und sind es anscheinend noch.
Schmidt-Wulffen: Eigentlich dachte ich,
es wäre endlich Ruhe eingekehrt um diese Angelegenheit - denn die Klasse
hat die Lehre von Ruhm inzwischen begeistert aufgenommen. Aber noch
einmal: Ich habe großes Verständnis dafür, dass Studierende, die mit
Kogler lange zusammengearbeitet haben, enttäuscht waren. Es ist auch
verständlich, dass ein Künstler, der lange hier gearbeitet hat, bleiben
will. Auf der anderen Seite ist diese Entscheidung auf rechtlich
einwandfreie Weise getroffen worden. Und es ist an der Zeit, dass die
Öffentlichkeit das auch so verhandelt. Entscheidungen von Berufungen
werden im Übrigen nicht allein aufgrund einer ja auch zu diskutierenden
künstlerischen Qualität getroffen. So verpflichtet uns z. B. das
Universitätsgesetz, Frauen besonders zu berücksichtigen. Wir haben im
österreichischen Vergleich den höchsten Anteil an weiblichen Lehrenden.
Es gab, wahrscheinlich im Zusammenhang mit Koglers Ausscheiden, auch provokante Graffitis an der Akademie-Fassade? Schmidt-Wulffen: Es taucht ab und zu
auf, dass wir Graffiti und Flugzettel im Haus haben, die die Rektoren
sozusagen zum Teufel wünschen. Es ist immer wieder überraschend, wenn man
morgens ins Haus kommt und sich mit solchen Attacken konfrontiert sieht.
Wenn man versucht, ein solches Haus zu gestalten, muss man mit Formen von
Widerstand rechnen. Jede Entscheidung hat Gegner. Ich finde es nur
bedauerlich, wenn es aus der schieren Anonymität heraus geschieht.
Schließlich ist das hier ein sehr demokratisches Haus. Massive Kritik auch innerhalb der Kollegenschaft erhielten Sie für
die Auslagerung des Kupferstichkabinetts in die Albertina. Wie wird es
hier weitergehen? Schmidt-Wulffen: Wir haben vom
Universitätsrat den Auftrag, die Sammlung wieder ans Haus zurückzuholen.
Um die Deckung der Kosten verhandeln wir zurzeit intensiv mit dem
Ministerium. Im Lauf von 2007 wollen wir garantieren, dass das
Kupferstichkabinett eigene Ausstellungsräume im Haupthaus hat. Ob wir in
der Lage sind, das Kompaktlager wieder im Haus zu errichten, hängt von den
Budgetverhandlungen mit dem Ministerium ab. Was ich in dieser
Angelegenheit völlig unterschätzt habe, ist die Idee, dass man seinen
Sparstrumpf wirklich unterm Bett liegen haben muss. Ich dachte, es geht um
einen ideellen Wert - es war ja nie die Frage, dass sich die Akademie von
ihrem historischen Bestand trennt. Sondern nur darum, ihn unter besten
Bedingungen zu lagern. Dass hier Kollegen zwischen guter Lagerung und
Weggabe von ideellem Besitz nicht unterscheiden konnten, wäre mir nie in
den Sinn gekommen. Ein typisch wienerischer Reflex: Wenn man einem machtbewussten
Direktor wie Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder etwas zur Verwahrung
gibt, bekommt man es vielleicht so leicht nicht wieder. Schmidt-Wulffen: Es gibt in diesem Land
starke Museumsdirektoren. Man muss aber auch damit rechnen, dass es starke
Universitätsrektoren gibt. |
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