Die Ausstellung "Kunst und Politik" im Museum auf Abruf zeigt Exponate aus der Sammlung der Stadt Wien
Kriegs-Traumata und Rassismus
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Politische Kunst von heute und aus der Nachkriegszeit: Linda Bildas
"Doppeladler" und Padhi Friebergers "Scheißbrauner Lippizaner". Foto:
MA 7 und Sammlung der Stadt Wien
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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Die Präsentation der Schau "Kunst und Politik" von Kuratorin Hedwig
Saxenhuber gibt sich betont zurückhaltend. Das Thema Politik verträgt
offensichtlich keine ornamentale Gestaltung, zu gefährlich scheint es,
die Sammlungspolitik der Kulturabteilung der Stadt Wien, die 1951
begann, üppig zu beleuchten.
Mit dem Nachlass des legendären
kommunistischen Kultur-Stadtrats Viktor Matejka werden die
Nachkriegszeit und Künstler des NS-Widerstands wie Karl Wiener, der
kubistische Erfinder des SPÖ-Logos, oder Auguste Kronheim präsent.
Von Friedensbewegung bis Atom-Angst
Neben unbekannten Aufarbeitungen der KZ-Lagerhaft oder Beiträgen zur
Friedensbewegung stehen bekannte Namen der Nachkriegszeit, von Marc
Adrians "Siegerstraße" bis zu Padhi Friebergers "Scheißbraunem
Lippizaner", vom einst nicht akzeptierten Staatsvertragsbild Sergius
Pausers bis zur geballten Faust von Florentina Pakosta. Neben Bruno
Gironcolis quälenden "Kindertotenliedern" steht Carry Hausers
Beschäftigung mit der Atom-Angst.
Postkolonialistische Meinungsvielfalt
Auf das Trauma folgen postkolonialistische Werke der jüngeren
Generation, geschult durch Philosophen wie Michel Foucault und Giorgio
Agamben, die in die Gegenwart führen. Ein Symposium am heutigen Freitag
setzt sich nicht nur mit anhaltenden Exotismen, sondern auch mit der
Meinungsvielfalt der politischen Kunst auseinander.
Die hohe Theorie ist aber nicht immer notwendig, um die bewusst
offene Struktur der Arbeiten von Lisl Ponger, Tim Sharp, Linda Bilda
oder dem Duo "Klub Zwei" mit ihren anti-rassistischen Grundaussagen zu
verstehen. Auch der Button von Johanna Kandl gegen die schwarzblaue
Regierung vom Jahr 2000 ist ein alter Bekannter der langjährigen
Donnerstags-Demonstrationen. Alfons Schilling wiederum dokumentierte
die Rassenunruhen von Chicago 1970 mit Heliogramm-Fotografien.
Die Einheit in der Vielfalt bilden schwarze Bildmasken, die wie
offene Buchseiten an den Wänden befestigt sind. Auf, über und neben
ihnen hängen die Kunstwerke: Ganz schön komplex.
Ausstellung
Kunst und Politik Museum auf Abruf Sammlung der Stadt Wien Hedwig Saxenhuber (Kuratorin) Bis 10. Oktober
Donnerstag, 03. Juli 2008
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