| Arbeit am Limit | |
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Vuk Cosic folgt mit seiner ASCII-Art politischen Intentionen. Im Interview spricht er über die Zusammenhänge von Kunst und High-Tech.
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1996 hast Du in einer "nettime" (Mailinglist, Anm.) -Message
geschrieben: "net.art ist heute die nobelste Form der WorldWideWeb-Kunst."
Gilt das immer noch? Na ja, der Begriff net.art bezeichnet ja nur eine Gruppe von Künstlern
rund um die nettime-, syndicate-
und 7-11-Mailinglisten.
Und die sind meiner Meinung nach in ihrer Art, das Medium zu erkunden,
vielleicht nicht nobler als andere Künstler, aber doch -
fortschrittlicher. Sie wollen eben nicht nur Objekte schaffen, die schön
und narrativ sind. Warum hast Du Dich dann von der eigentlichen Netzkunst
abgewandt? Niemand hat sich von irgendetwas abgewandt. Es ist eben so, dass die
selbe Szene jetzt schon seit vier Jahren aktiv ist. In dieser Periode
haben wir viel ausprobiert - im Umgang mit dem Netz als solchem, mit der
Kunstszene, mit anderen Künstlern, mit kollaborativer Kreativität und mit
nicht-ästhetischen oder superästhetischen Ausdrucksformen online.
Irgendwie sind die meisten Möglichkeiten bereits durchexerziert.
Politik ersetzt Ästhetik Sind nicht auch bei ASCII die Möglichkeiten, sich künstlerisch
auszudrücken, eher limitiert? Ja, aber man drückt sich nicht nur ästhetisch aus. ASCII folgt eher
politischen Intentionen. Es geht darum aufzuzeigen, wie die
High-Tech-Industrie und die Kunstszene zusammenarbeiten. Manche
Institutionen im Kunst- und Technikbereich generieren ihr Prestige nur
durch die Anschaffung immer noch teurerer Technik und noch
eindrucksvollerer Software. Kuratoren entscheiden dann nicht mehr nach
künstlerischen Kriterien, sondern müssen immer auch das teure Equipment
durch Kunstwerke rechtfertigen, die dieses benötigen. ASCII ist vielleicht
ästhetisch und technisch limitiert, aber ich mag diese Limitierungen. Das Ende der Exklusivität Deine Kunst ist also eine Kritik an der Kunstszene? Ja, absolut. Bei ASCII hat man wie bei der net.art die Möglichkeiten
zur Produktion und zur Distribution von zu Hause. Kuratoren bieten keine
Exklusivität mehr. Wenn Du etwas in einem Cave (Virtuelle 3D-Umgebung,
Anm.) machen willst, musst Du sehr viel mit sehr vielen hässlichen Leuten
in sehr hässlichen Anzügen sprechen. Wie kamst Du gerade auf ASCII? Ich suchte nach einer Technik, die aus irgendeinem Grund bereits wieder
verworfen wurde. ASCII schien mir da sehr interessant. Ich spinne also für
ASCII eine Entwicklung weiter, die es nie gab. Ich wende ASCII auf Medien
an, für die es nicht gedacht war. Deshalb gibt es ASCII-3D, -Audio,
-Kamera, etc... Was ich daran mag? Dass ich Forschung betreibe und nicht
irgendetwas weiterentwickle. Grüne Buchstaben für Nostalgiker Manche Leute sagen, Du betreibst mit Deiner ASCII-Kunst auch
Nostalgie mit romantischen Retro-Gefühlen. Es gibt zwei verschiedene Arten von Nostalgie. Die eine ist sehr
persönlich, man erinnert sich an eine bessere Zeit. Sie trifft auf mich
nicht zu. Ich hatte nie einen PDP 10 im Haus meiner Eltern. Computer
hatten Bildschirme und Drucker, seit ich sie kenne. Die andere Art von
Nostalgie, die ich auch gerne für mich beanspruche, ist eher eine
kollektive Nostalgie. Warum hast Du Dich mit anderen Künstlern zum ASCII Art Ensemble
zusammengeschlossen? Das ASCII Art
Ensemble ging aus verschiedenen interessanten Konversationen hervor,
die manche von uns Netzkünstlern über Jahre hinweg geführt haben.
Schließlich haben wir uns alle zwei Wochen in einer anderen Stadt wieder
getroffen, bei Ausstellungen und Symposien. Und bei dem ganzen
Medienscheiß, den wir andauernd sagen mussten, blieb ASCII als eine
Konstante. Also sagte ich letztes Jahr: "Na gut, dann bleiben wir halt dabei und
lassen uns darüber identifizieren. Vielleicht bringt es uns ja was. Mal
sehen, was wir für einander tun können!" Das ist ein typisches Verhalten
von Netzkünstlern. Wann immer man sich trifft, ist der erste Punkt: Was
können wir gemeinsam tun? | ||||