 |
"Ich beschuldige niemanden, aber mein Entschluß ist
unwiderruflich." Was sich seit Monaten abzeichnete, wurde am Freitag
bestätigt: Boris Groys, Rektor der Akademie der bildenden Künste, konnte
keine Karenzierung von seiner Professur an der Hochschule für Gestaltung
in Karlsruhe erreichen. Daher tritt er mit 1. Dezember wieder seinen
Dienst in Deutschland an.
Die seit Groys' Amtsantritt im März 2001 in der neuen
Organisationsform arbeitende Kunstakademie wird die mit rund 110.000
Schilling brutto monatlich dotierte Rektors-Position ausschreiben. Bis ein
neuer Rektor bestellt ist, amtiert Groys' Stellvertreter Michael Herbst.
Er habe sich unter der Voraussetzung, daß er karenziert
werde, in Wien beworben, betonte Groys. Der Kulturminister des Landes
Baden-Württemberg, Klaus von Trotha, habe ihm die Beurlaubung zugesagt.
Als Groys nach seiner Berufung nach Wien die Freistellung einforderte,
habe Trotha unter Hinweis, daß diese nicht im Interesse des Landes
Baden-Württemberg liege, abgelehnt - und sei selbst am nächsten Tag
zurückgetreten. Er sei 54, sagte Groys, die Rückkehr in eine Professur auf
Lebenszeit, die ihm versprochen worden sei, letztlich ungewiß, weil er die
Altersgrenze dafür überschritten habe. Er verstehe die Haltung des Wiener
Bildungsministeriums, das die Beurlaubung in Deutschland verlangt hatte,
so Groys: "Trotzdem muß man sich klar werden in Österreich, ob man Leute
mit internationalen Verpflichtungen haben will oder einen Administrator,
was nicht abwertend gemeint ist." bp
© Die Presse |
Wien
|
 |