VN Sa, 15.6.2002

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Vorsommerliche Bestandsaufnahme

Toller Mix in der Galerie Lisi Hämmerle

Bregenz (VN-ag) Zeit für eine vorsommerliche Bestandsaufnahme: Nach der Teilnahme an der Art Frankfurt und noch vor Beginn der großen Sommerausstellung, die in diesem Jahr der Vorarlberger Künstler Paul Renner mit dem Projekt "On the Road with the Hell Fire Touring Club" bestreitet, präsentiert die Galerie Lisi Hämmerle in Bregenz Künstler(innen) der Galerie.

Einmal mehr ist es eine bunte Mischung aus gegensätzlichsten künstlerischen Positionen und unterschiedlichsten Medien geworden. Und einmal mehr hat die Galeristin Lisi Hämmerle diesen Mix, den sie gerne als eine Art Bestandsaufnahme, angesiedelt zwischen Messe und Sommerausstellung, sehen möchte, mit viel Feingefühl und dem gewissen Flair für Kontraste inszeniert.

Bekannt und neu

So trifft man nicht nur auf "gute alte Bekannte", wie die Gummibärchen- und Porsche-Beton-Editionen von Gottfried "Göpf" Bechtold, die orange-leuchtende Fotoarbeit des spanisch-österreichischen Künstlerkollektivs CALC oder die blassblauen Himmelbilder von Ingmar Alge, sondern auch wieder auf viel Neues. Mit ganz neuen Arbeiten auf Spiegeln zum Thema Berg ist der deutsche Künstler Thom Barth vertreten, dessen Installation "Red Loom", die vor einigen Jahren auch in der Galerie zu sehen war, derzeit in Kassel Furore macht.

Die Zwerge auf dem Faschingsumzug, fotografiert von Iris Andraschek, sind gar keine fröhliche Truppe, sondern schauen merkwürdig ins Leere, während die Paparazzi-Schnappschüsse der Künstlergruppe G.R.A.M. einmal mehr die Frage nach der Prominenz aufwerfen. G.R.A.M. sind außerdem mit dem Büchlein zur Ausstellung "Wiener Blut" präsent, in der Szenen aus dem Wiener Aktionismus täuschend echt, aber zum Schreien komisch nachgestellt wurden, was einigen "echten" Vertretern des Aktionismus wohl sauer aufgestoßen ist. Foto-Kopie-Montagen gibt es zu sehen von Ruth Knünz, während Franzobel "Rubbel-Art zum Kunstkratzen" anbietet.

Rosenkünstler

Ganz aktuell sind auch die "Rosen-Geschicklichkeits-

Künstler" von Edgar Leissing mit Persönlichkeiten aus der internationalen Kunstszene sowie der neu ins Programm der Galerie aufgenommene junge, in Wien lebende Rouven Dürr, auf dessen erste Einzelpräsentation man gespannt sein darf. Wer ob der witzigen Objekte der "Artikel Editionen Berlin", wie dem "Glückswürfel" mit lauter Sechsen von Timm Ulrichs oder der "No Fear"- bzw. "Keine Angst"-Stecker von Christoph Ebener, den Kopf schüttelt und sich fragt, was soll denn das, der postiere sich am besten vor der neuen Arbeit von Ruth Schnell. "Women's Statistics" besteht aus Leuchtdioden auf einem tafelbildartigen Untergrund und operiert auf raffinierte Weise mit der Trägheit des menschlichen Auges. Als eine Art komprimierte Leuchtschrift lassen sich in der wegdrehenden Bewegung des Kopfes und einem bewusst "unscharfen" Blick einzelne Buchstaben entziffern. Ruth Schnell: "Das was gesehen werden will, ist kein Objekt, sondern ein Wahrnehmungsphänomen ( . . .)."

Faschingsumzug mit Zwergen: Arbeit von Iris Andraschek.




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