Bregenz
(VN-ag) Zeit für eine vorsommerliche
Bestandsaufnahme: Nach der Teilnahme an der Art Frankfurt und noch
vor Beginn der großen Sommerausstellung, die in diesem Jahr der
Vorarlberger Künstler Paul Renner mit dem Projekt "On the Road with
the Hell Fire Touring Club" bestreitet, präsentiert die Galerie Lisi
Hämmerle in Bregenz Künstler(innen) der Galerie.
Einmal mehr ist es eine bunte Mischung aus
gegensätzlichsten künstlerischen Positionen und unterschiedlichsten
Medien geworden. Und einmal mehr hat die Galeristin Lisi Hämmerle
diesen Mix, den sie gerne als eine Art Bestandsaufnahme, angesiedelt
zwischen Messe und Sommerausstellung, sehen möchte, mit viel
Feingefühl und dem gewissen Flair für Kontraste inszeniert.
Bekannt und neu
So trifft man nicht nur auf "gute alte Bekannte", wie
die Gummibärchen- und Porsche-Beton-Editionen von Gottfried "Göpf"
Bechtold, die orange-leuchtende Fotoarbeit des
spanisch-österreichischen Künstlerkollektivs CALC oder die
blassblauen Himmelbilder von Ingmar Alge, sondern auch wieder auf
viel Neues. Mit ganz neuen Arbeiten auf Spiegeln zum Thema Berg ist
der deutsche Künstler Thom Barth vertreten, dessen Installation "Red
Loom", die vor einigen Jahren auch in der Galerie zu sehen war,
derzeit in Kassel Furore macht.
Die Zwerge auf dem Faschingsumzug, fotografiert von Iris
Andraschek, sind gar keine fröhliche Truppe, sondern schauen
merkwürdig ins Leere, während die Paparazzi-Schnappschüsse der
Künstlergruppe G.R.A.M. einmal mehr die Frage nach der Prominenz
aufwerfen. G.R.A.M. sind außerdem mit dem Büchlein zur Ausstellung
"Wiener Blut" präsent, in der Szenen aus dem Wiener Aktionismus
täuschend echt, aber zum Schreien komisch nachgestellt wurden, was
einigen "echten" Vertretern des Aktionismus wohl sauer aufgestoßen
ist. Foto-Kopie-Montagen gibt es zu sehen von Ruth Knünz, während
Franzobel "Rubbel-Art zum Kunstkratzen" anbietet.
Rosenkünstler
Ganz aktuell sind auch die "Rosen-Geschicklichkeits-
Künstler" von Edgar Leissing mit Persönlichkeiten aus der
internationalen Kunstszene sowie der neu ins Programm der Galerie
aufgenommene junge, in Wien lebende Rouven Dürr, auf dessen erste
Einzelpräsentation man gespannt sein darf. Wer ob der witzigen
Objekte der "Artikel Editionen Berlin", wie dem "Glückswürfel" mit
lauter Sechsen von Timm Ulrichs oder der "No Fear"- bzw. "Keine
Angst"-Stecker von Christoph Ebener, den Kopf schüttelt und sich
fragt, was soll denn das, der postiere sich am besten vor der neuen
Arbeit von Ruth Schnell. "Women's Statistics" besteht aus
Leuchtdioden auf einem tafelbildartigen Untergrund und operiert auf
raffinierte Weise mit der Trägheit des menschlichen Auges. Als eine
Art komprimierte Leuchtschrift lassen sich in der wegdrehenden
Bewegung des Kopfes und einem bewusst "unscharfen" Blick einzelne
Buchstaben entziffern. Ruth Schnell: "Das was gesehen werden will,
ist kein Objekt, sondern ein Wahrnehmungsphänomen ( . . .)."
Faschingsumzug mit Zwergen: Arbeit von Iris Andraschek.