| Salzburger Nachrichten am 17. Dezember 2005 - Bereich: Kultur
Kunterbunte junge Kunst Ausstellung in der
Galerie des Landes Salzburg im Traklhaus
Salzburg (SN-hkk). "Wir spüren hier einen europäischen Atem", sagte der
Bürgermeister von Montrouge, Jean-Loup Metton, einem Pariser Vorort, am
Mittwochabend im Traklhaus in Salzburg. Er war mit seiner Kulturstadträtin
und Vizebürgermeisterin, Alexandra Favre, mit einer Delegation der
Gemeindeverwaltung sowie mit einigen Künstlern aus Frankreich nach
Salzburg gereist, um die Ausstellung der "Europäischen Plattform junger
Künstler" zu eröffnen. Diese Plattform wurde auf Initiative der Gemeinde Montrouge aufgebaut.
Deren "Salon International" wurde heuer zum 50. Mal abgehalten und hat zum
ersten Mal österreichische Künstler aufgenommen. Vertreter Österreichs in
diesem europäischen Netzwerk ist die Salzburger Landesgalerie im
Traklhaus. Jedes Land war eingeladen, Werke von zehn Künstlern in diese
Ausstellung einzubringen. Das Ergebnis: Ein kunterbunter Überblick über
junge Kunst in Frankreich, Italien, Spanien, Portugal und Österreich. Die
Ausstellung wird in diesen fünf Ländern gezeigt; nach Paris, Amarante und
Barcelona macht sie nun Station in Salzburg, bevor sie nach Genua
weiterzieht. Und damit jedes Land möglichst beste Kunst bereitstellt, hat
eine Jury im vorigen Oktober aus allen Exponaten ein "Meisterwerk" gekürt.
Graue Männchen, die winzigen Legofiguren ähneln, laufen kreuz und quer
über einen Bildschirm. Wenn ein Männchen einem anderen begegnet, wird ein
Körperteil gelb, blau oder rot. Aha! Begegnung löst irgendetwas aus,
irgendwo im Körper oder im Kopf; und Begegnungen machen das Leben bunt.
Mit diesem kleinen Computerfilm wurde der Italiener Stefano Buro zum
Sieger gekürt. Der Salzburger Gerold Tusch wurde für seine metallisch
wirkende Keramik von der Jury mit einer Würdigung belohnt. Eigenartig aufmerksame oder verfremdete Blicke auf Menschen und ihre
Gegenstände sind (bis 28. Jänner) im Traklhaus zu entdecken. Drei
Beispiele: Da liegt ein Paar Plastikhandschuhe (in der Installation von
Christine Poillong aus Frankreich), wie man sie bei der Abwasch liegen
hat, doch sie sind matt weiß und fein gelöchert, als wären sie wie aus
Elfenbein geschnitzt. Da hängen vier kostbar vergoldete Quadrate, betitelt
mit "Ikone" (von Lorenzo Maradresco, einem in Paris lebenden Rumänen);
mitten im lichten, strahlenden Gold sind winzige Fenster, die sich in eine
dunkle Mitte öffnen. Ein Film zeigt eine junge Frau, die mit einem dicken
Pinsel und einem Topf weißer Farbe auf einer langen, langen, langen
Asphaltstraße geht und mühsam und gebückt einen Mittelstrich zeichnet. |