Salzburger Nachrichten am 30. Oktober 2002 - Bereich: kultur
GALERIEN-BLICK Zeitgenössisches aus China Die vom Direktor Stilistisch dominiert

GALERIEN-BLICK

Zeitgenössisches aus China

Chinas vorsichtiger Reformkurs wirkt sich auch auf die Kunst im Lande aus. Mit Slogans wie "es gibt keine zeitgenössische Kunst ohne Zerstörung der alten Kunst" können und dürfen sich Künstler profilieren. Im Wiener Künstlerhaus informiert die Ausstellung "east meets west" über Tendenzen in der chinesischen Kunst der letzten zwanzig Jahre. Sie ist künstlerische Antwort auf eine vom Bundeskanzleramt projektierte Schau mit zeitgenössischer österreichischer Kunst einschließlich Architektur und Design im Vorjahr in Shanghai.

Die vom Direktor

des Shanghai Art Museum, Li Xiangyang, kuratierte Schau präsentiert über neunzig Werke von 60 Künstlerinnen und Künstlern. Der größte Teil der Arbeiten sind Malerei und Tuscharbeiten, einige Skulpturen und Fotoarbeiten ergänzen die Auswahl. Westliche Strömungen zeigen sich begierig aufgenommen, aber die eigene Tradition wird nicht verleugnet.

Stilistisch dominiert

ein Realismus, der das Dargestellte auch hinterfragt und verrätselt. Im Ölbild "The day of a Nosmoking World" von Zhong Biao schreitet eine modisch gekleidete Frau zielbewusst vor einer Häuserwand mit einem "Marlboro"-Plakat und wirft einen surreal erscheinenden Schatten.

Es gibt aber ebenso eher gemäßigte expressive Werke sowie eine Reihe von rein abstrakten Arbeiten, die auch Collageeffekte mit einschließen. Ein Verarbeiten von bisher Fremdem sowie das Suchen nach einer eigenen Individualität spricht aus diesem Angebot aus verschiedenen chinesischen öffentlichen Sammlungen. froh

Bis 11. November, tägl. 10 bis 18 Uhr, Do. bis 21 Uhr.