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12.07.2006 - Kultur&Medien / Kultur News
Kunstausbildung - Sprungbrett und "Schlangengrube"
VON BARBARA PETSCH
Auseinandersetzungen an Wiener Kunst-Unis sind notorisch. Was taugt, entscheidet letztlich der internationale Markt.

"Diese Männer haben viel Zeit!", seufzte 2001 Akademie-Professorin Elisabeth von Samsonow im "Presse"-Interview. Die Spezialistin für sakrale Kunst (Institut für Kunst- und Kulturwissenschaften) hatte wenig Mitleid mit den Schmerzen, unter denen sich die über 300 Jahre alte Akademie der bildenden Künste am Schillerplatz in die neue Zeit wand. Von den alten Meister-Schulen bis zur heutigen Organisation war es ein langer Weg: ein heißer Kulturkampf.

Theorie hieß das Hass-Wort: Es bedeutet, die Kunstgeschichte kennen und den Markt. Das ging jenen, die ans geborene Genie glauben, das es wohl nie gegeben hat, gewaltig auf die Nerven. Eine weitere Front war das Handwerk: "Von jedem Profi verlangt man, dass er Handwerk und Theorie beherrscht. Manche fühlen sich davon bedroht" (Samsonow). Vieles hat sich zwar seither verändert. Friedlicher ist es nicht geworden. Kunststudenten neigen per se eher zur Revolte als zur Anpassung. Die Demokratisierung führt weiter zu endlosem Streit. Professoren sind mächtig, noch mächtiger aber sind Assistenten. Rund 80.000 € netto im Jahr verdient ein Kunstprofessor: viel! Für einen armen Künstler. Nicht aber für die Renommierten - und dementsprechend am meisten Begehrten, wobei die Grenze der Salärs nach oben hin offen ist.

Pragmatisierung, Staatspension: abgeschafft. Damit fällt ein weiterer Anreiz weg, sich an einer Kunsthochschule niederzulassen. Niederlassen? Gibt es auch nicht mehr. Verträge sind befristet. Interessant, dass es trotz dieser Bedingungen immer wieder großes Gerangel um die Posten gibt. In diesem hat der Rektor viel Gewicht. Allerdings muss er wieder gewählt werden, und wenn er zu viel umrührt, wird das schwieriger.

Umrühren aber muss er, denn er steht unter einem viel größeren Druck als früher: Wenn das Institut international nicht konkurrenzfähig ist, gehen gute Professoren, Studenten lieber anderswo hin. Ohnehin ist die Erfolgsquote mit 40 Prozent, die ihr Studium abschließen, bescheiden. Die allgemeine Lage am Arbeitsmarkt ist nicht rosig. Da hoffen viele auf den Fluchtweg Kunst: Selbstverwirklichung! Freiheit! Doch das Brot ist auch da hart. Handwerk, Theorie.

Eben. Außerdem muss man zäh, durchsetzungskräftig sein. Kunstausbildung gut und schön. Die Entscheidung über den Erfolg trifft der Markt: Kuratoren, Galeristen, Museumsdirektoren. Der "Spiegel" berichtet diese Woche von Josephine Meckseper; die Konzept-Künstlerin, gebürtige Deutsche (41), lebt in New York; guter Platz, um entdeckt zu werden. In Mecksepers Fall war es der Mega-Sammler und Trendsetter Charles Saatchi, der eine Installation kaufte, die im renommierten Whitney-Museum zu sehen war. Besser kann man es nicht treffen. Trotzdem ist nicht gesagt, dass man nach so einem Coup oben bleibt. Schließlich drängen ständig Neue nach, Originalität ist alles.

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