
Das erklärten die amerikanischen Anwälte der Familie, David J. Rowland und Peter Schink, in einer Mitteilung aus New York am Samstag. Über die Rückgabe will in der kommenden Woche auch das Berliner Abgeordnetenhaus debattieren.
Anders als von Kritikern dargestellt, habe Hess seine Sammlung nicht 1929 verkaufen müssen, weil seine Erfurter Schuhfabrik angeblich insolvent wurde. Vielmehr sei das Unternehmen nach 1933 von den Nazis "arisiert" worden. Nach dem Tod des Sammlers 1931 habe dessen Witwe Thekla die Werke nach Zürich geschafft, sie selber sei in Deutschland geblieben. Unter dem Druck der Gestapo und der finanziellen Not habe sie immer wieder Werke aus der rund 80 Gemälde umfassenden Sammlung zu einem Bruchteil ihres Werts verkaufen müssen.
Die Rückgabe des Kirchner-Bildes, eines der wichtigsten Werke des deutschen Expressionismus, war von Kunstexperten heftig kritisiert worden. Der Senat habe den "deutschen Museumsbesitz" durch sein "dilettantisches Handeln" geschädigt, erklärten das Schweizer Ernst- Ludwig-Kirchner-Archiv, der Förderkreis des Berliner Brücke-Museums und des Berliner Auktionshaus Villa Grisebach. Der Restitutionsanspruch sei unbegründet gewesen.
Thekla Hess habe 1936 freiwillig die "Straßenszene" nach Deutschland zurückgeschickt, wo es der Industrielle Carl Hagemann erwarb. Das Bild sei vom Senat auf die "bloße, durch nichts bewiesene Behauptung hin" restituiert worden, dass die Witwe den Kaufpreis nicht erhalten habe. Es sei aber davon auszugehen, dass es Hagemann gelang, das Geld in die Hände der Familie Hess gelangen zu lassen.
Das Brücke-Museum hatte das Bild nach langen Verhandlungen im Juli an die Erbin zurückgeben. Am 8. November soll das Gemälde zum Schätzpreis von 14 bis 19,5 Millionen Euro im New Yorker Auktionshaus Christie's versteigert werden. Die Erben-Anwälte betonten in dem Brief, die Hess-Nachfahren wären glücklich, wenn Berlin das Bild wieder zurückerwerben könnte. (APA/dpa)