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Linz hat versäumt, Designstadt zu sein

Reinhard Kannonier (63), seit 2000 amtierender und bis 2015 wiederbestellter Rektor der Linzer Kunstuniversität, sagt im Interview mit den OÖNachrichten, warum er als künftigen Standort das Brückenkopfgebäude der Tabakfabrik vorzieht, wie man Absolventen hält und warum ihn Linz09 heute noch schmerzt.

OÖN: Welche Projekte oder Themen waren für Sie entscheidend, sich noch einmal als Rektor zur Verfügung zu stellen?

Kannonier: Wir haben uns ein Profil aufgebaut und sind endlich auch in Wien als interessante Universität angekommen. Was Medien, Design und Architektur betrifft, sind wir sehr gut aufgestellt, aber immer noch labil, weil wir pro Studienrichtung über maximal zwei Professuren verfügen. Es wird eine unserer Hauptaufgaben sein, diese Situation zu stabilisieren, indem wir unsere Stärken auch personell stützen.

OÖN: Sie setzen auch auf Zusammenarbeit?

Kannonier: Von allen Universitäten in unserem Bereich haben wir die beste Situation, was Kooperationen mit regionalen Partnern betrifft. Das geht vom Ars Electronica Center, mit dem wir unter anderem ein gemeinsames Doktorats-Studium starten, über das Kunstmuseum Lentos, die Landesgalerie bis zur sehr ausgeprägten Zusammenarbeit mit dem OK. In den kommenden Jahren geht es darum, dieses Netzwerk mit dem Schwerpunkt Internationalität auszubauen.

OÖN: In welchen Bereichen könnte die Zusammenarbeit auf Landesebene noch besser laufen?

Kannonier: Auszubauen ist die Zusammenarbeit mit der Bruckner-Privatuniversität. Das könnte zum Beispiel das Feld der Akustik betreffen, vielleicht in Form eines gemeinsamen Lehrganges. Unsere Kompetenz in diesem Bereich kommt aus der Architekturkunst. Die ganze Bandbreite zwischen Musik und Bild liegt vor uns.

OÖN: Wie viele Absolventen der Kunstuni verlassen Linz?

Kannonier: Die meisten. Sehr gute Leute sind in Oberösterreich kaum zu halten, das liegt am Kunstmarkt, am Gestaltungsmarkt und am Markt der Kreativwirtschaft, den man hier vorfindet. Graz hat sich als Design-Hauptstadt Europas beworben, vergleichbar mit der Kulturhauptstadt Europas, dort wird auf Design gesetzt. Das wurde in Linz leider verabsäumt. Es ist absurd, den riesigen Bereich Design in einer von Wirtschaft dominierten Stadt wie Linz derart schleifen zu lassen.

OÖN: Die Linzer Chance ist es, Nischen zu schaffen?

Kannonier: Ganz genau, auch mit besonderen Anreizen, wie etwa dem Salzamt in Linz, wo externe Wissenschafter, Künstler und Studierende mit unseren Leuten zusammenarbeiten. Die Schaffung solcher Infrastrukturen ist enorm wichtig, aber wir können das nicht leisten, die Kulturpolitik muss uns helfen. Ich sag’ Ihnen ein Beispiel: In der Architektur haben wir eine Absolventin, Anna Heringer. Sie hat unter anderem den mit 400.000 Dollar dotierten Aga-Khan-Architekturpreis gewonnen und ist auf dem Weltmarkt unglaublich gut vertreten. Noch hat sie einen Lehrauftrag bei uns, aber den mussten wir schon mit romantischen Gründen argumentieren. Langfristig wird sie für uns nicht zu halten sein.

OÖN: Die Kunstuni ist auf Standortsuche, wohin soll sie übersiedeln, wenn Sie es alleine zu entscheiden hätten?

Kannonier: Als Denkmodell existiert die Tabakfabrik. Das war einst ein Schnellschuss von mir, denn auch im Falle einer großzügigen Planung benötigen wir höchstens ein Drittel des gesamten Areals. Wir haben Aufzeichnungen darüber, dass der Quadratmeterpreis in der Tabakfabrik auch aufgrund der Denkmalschutz-Auflagen um mehr als das Doppelte höher wäre als beim Umbau des Brückenkopfgebäudes. Wer soll das bezahlen? Wir reden von 50 Millionen Euro oder mehr. Der Bund hat kein Interesse daran, weil die Tabakfabrik Stadteigentum ist – und das Verhältnis von Stadt und Bund ist gespannt. Außerdem ist der Standort nicht günstig, weil es bei der aktuellen Infrastruktur wieder eine Campus-Uni werden würde, obwohl sie dem Stadtzentrum so nah wäre. Mit den Planungen am Brückenkopfgebäude, bei dem die Bundesimmobiliengesellschaft unser Partner ist, sind wir obendrein schon relativ weit. Es geht noch um die Finanzierungsfrage, aber ich glaube, dass wir zu einem Kompromiss kommen werden.

OÖN: Das heißt, was auch immer mit der Tabakfabrik geschehen soll, es wird teuer…

Kannonier: Was dort dauerhaft umgebaut werden wird, kommt extrem teuer. Wegen der zum Glück denkmalgeschützten Fassade muss man eine zweite Haut einziehen. So ein riesiger Komplex kann nur als Mischform funktionieren, weil er für alles zu groß ist. Es werden zur kulturellen Nutzung auch Wohnungen, Gastronomie und was auch immer kommen, weil es sonst gar nicht finanzierbar sein wird. Es war ein wichtiger Schritt, dass Linz mit dem Erwerb der Tabakfabrik die Hand auf das Projekt gelegt hat, aber jetzt das Nachnutzungsproblem zu lösen, kann nicht Sache der Stadt alleine sein. Da müssen andere mithelfen.

OÖN: Seit mehr als einem Jahr ist die Kulturhauptstadt Linz09 Geschichte. Wie bewerten Sie, was übriggeblieben ist?

Kannonier: Immer schmerzhafter. Es wurden 80 Millionen investiert, und mit wenigen, kleinen Ausnahmen ist heute davon nichts mehr zu spüren. Das Hauptversäumnis war der gesamte Bereich der öffentlichen, aber auch der privaten Gestaltung, der Stadtentwicklung – das wäre Nachhaltigkeit gewesen. Was geblieben ist, sind Relikte aus Hörstadt, die Triennale-Kooperation, sonst fällt mir nicht viel ein. Von der Aufbruchstimmung, die es für kurze Zeit gegeben hat, merke ich nichts mehr.

OÖN: Welche maßgeblichen Fehler wurden gemacht?

Kannonier: Ein Kardinalfehler war, dass in den Bereichen Gestaltung und Design nur Nostalgie betrieben wurde. Es gab eine Ausstellung über das Forum Design, aber ohne das Thema in die Gegenwart und in die Zukunft zu transportieren. Es war ein Fehler der Positionierung. Linz wird nie Musik- oder Theaterhauptstadt werden, aber im Design haben wir Chancen – nur müssen wir uns anstrengen, sonst ist dieser Zug auch noch weg.

OÖN: Existiert in Linz ein kulturpolitischer Geist?

Kannonier: Es ist wichtig, dass ein ermöglichender Geist existiert. Das darf sich nicht in Reden erschöpfen, sondern muss sich auch finanziell niederschlagen. Ich erwarte von der Kulturpolitik, dass sie in Linz mit den Institutionen, die viel Geld bündeln, Zielvereinbarungen schließt, die vorsehen, Geld auch für Kooperationen mit der freien Szene, mit freien Kreativen auszugeben. Die Lehren, die man aus Linz09 ziehen muss, sind zum Beispiel, dass die Sinnlosigkeit zu beheben ist, wie die großen Kulturinstitutionen immer noch wie in einem Konkurrenzverhältnis gegeneinander arbeiten. Mittlerweile gibt es ein politisches Bewusstsein dafür, dass es notwendig ist, etwa das Brucknerfest anders aufzustellen und von allen Institutionen mitzutragen.

Artikel 11. Februar 2011 - 00:04 Uhr
Peter Grubmüller und Bernhard Lichtenberger
Bild vergrößern Linz hat versäumt, Designstadt zu sein

Rektor Kannonier fragt sich, wie er eine Absolventin hält, die der Weltmarkt lockt.   Bild: Weihbold

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little more most · von lawandorderman · 11.02.2011 14:51 Uhr

Linz ist Provinz, Linz ist Dorf. Ist einfach so und nicht unbedingt negativ. Linz will gratis Riesenrad fahren, nicht Kulturhauptstadt sein. Lentos ist überdimensioniert, völlig falsche Einschätzung, da geht keiner mehr hin. Museum vorher zu klein, jetzt zu groß. Theater zu klein, neues wird zu groß werden. Aber Busse werden die Leute schon von irgendwo herankarren. Watschn-Gsöllpointner war weg, Design war weg. Nehmt das Geld um die Straßenbahn zur U-Bahn zu machen und dann Pflasterspektakel mit Gratis-Most. Erfolg garantiert.

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Linz ist was es ist ! · von na-so-was · 11.02.2011 12:16 Uhr

Eine Indurstriestadt mit NULL Kultur aber vielen parallel Kulturen dank Zuwanderung!

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wenigstens parallelkultur · von gerne linzer · 11.02.2011 12:34 Uhr

sonst würden wir in der österreich-folklore noch ersticken.

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