


Siebdruck-Ikone à la Warhol - Gavin Turk als Sid Vicious: "White Pop", 2011
Wien - Der britische Künstler Gavin Turk bedient sich nicht das erste Mal fremder Bilder: Vielmehr hat die Aneignung fremder Stile - ganz im Sinne von Punk - in seiner Arbeit Methode, wobei das Warhol'sche Siebdruckverfahren offenbar an oberster Stelle steht. Bildikonen von Elvis Presley und Che Guevara hat er so bereits multipliziert - nun ist der sogenannte White Van Man an der Reihe. Der Titel bezieht sich auf einen eher abschätzigen Begriff für jenen Typus Handwerker, der in einem weißen Bus seiner Arbeit nachgeht. Im Siebdruck verewigt wurden anstelle der Männer allerdings ihre Autowracks. Unschwer erkennt man darin einen Abgesang auf die Arbeiterklasse.
Turks mit Marken-Logos bestickte Mappa Del Mundo erinnert an die Kapitalisierung der Welt. Und im Bild Before the world was round, das der Ausstellung in der Galerie Krinzinger den Titel gab, ist der Globus schon kollabiert: Es zeigt eine platte, kontur- und farblose Welt.
Dass der Künstler seine Neo-No-Future-Einstellung auf die Kunstwelt ausweitet und in der Aneignung und Behandlung von Oberflächen ausdrückt, zeigen zudem seine in Bronze gegossenen Versatzstücke der Punkkultur (u. a. ein Aschehaufen oder ein Ziegelstein) und eine Duchamp zitierende Bilderserie: In Anlehnung an dessen berühmte opake Fensterskulptur, die sich gegen das Illusionistische in der Kunst richtete, gewähren auch Turks Fresh Windows keine Ausblicke.
Ganz so pessimistisch bleibt die Ausstellung nicht. Immerhin hat Turk für eine weitere Serie von Bronzeskulpturen eine partizipative und damit sogar sehr optimistische Methode gewählt: Im Rahmen eines Projekts stellte er Tonnachbildungen seines Kopfes zur Verfügung, die das Publikum nach Belieben umformen durfte. Dass es dabei ganz offensichtlich nicht schöngeistig vorging, sondern seine Aggressionen abbaute (oder wie Turk meint, seine punkige Grundhaltung offenbarte), verleiht der kleinen monströsen Heerschar nicht nur etwas Gruseliges, sondern auch ihren Witz. (Christa Benzer/ DER STANDARD, Printausgabe, 3.3.2011)
Bis 26. 3., Galerie Krinzinger, Seilerstätte 16, 1010 Wien
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