Feldkirch (VN-cd) In verschiedenen Schlafstellungen ließ sich die
Künstlerin Gerda Haas ablichten. Symbolisiert werden sollte damit
die von der patriarchalischen Gesellschaft bevorzugte Haltung der
Frau. Kombiniert mit einem Appell ans Aufwachen befinden sich die
Bilder im Cafe April in Feldkirch.
Wie es dazu kam? Schon im Vorjahr wollte sich die Vorarlberger
Künstlerin Sigrid Hutter von den durchwegs männlichen Leitern des
"Feldkirch Festivals" nicht mundtot machen lassen. In der zentralen
Themenausstellung zum Programm schienen Künstlerinnen so gut wie gar
nicht auf. Übersättigt von Orpheus - so die zentrale Figur des
Zehntageaufmarsches - machte sich Hutter auf die Suche nach
Eurydike.
Heuer verfolgt man in den Feldkircher Konzertsälen bekanntermaßen
"Gottesspuren", in den Schaufenstern spürt man deshalb den Göttinnen
nach.
Malerei dominiert
Dass Spiritualität lange vor der Machtentfaltung der katholischen
Kirche ein Faktor im Leben der Menschen war, rufen die Künstlerinnen
dabei in Erinnerung. Die Ausstellung ist von der Malerei dominiert.
Während etwa Ute-Friederike Mangold mit einem markanten Gesicht fest
hält, dass eine Versöhnung aufgrund der Machtverhältnisse nicht
stattfinden kann, blicken andere Künstlerinnen - wie etwa Sigrid
Fend - etwas hoffnungsvoller in die Zukunft. Bei Sisi Klocker
existiert - selbstbewusst wie die Malerin, Kabarettistin und
Sängerin nun einmal ist - sowieso vor allem die Göttin. Warum auch
nicht. In der Menschheitsgeschichte tritt das Göttliche
bekanntermaßen erst sehr spät in männlicher Gestalt auf.
Und was die Bilder von Gerda Haas betrifft, so darf man anfügen,
dass eine patriarchalisch strukturierte Gesellschaft die Frau auch
ganz gerne in dienender Arbeitshaltung sieht. Einmal aufgewacht,
darf man nur hoffen, dass ihre Figur sogleich den aufrechten Gang
anstrebt.
Aber hellwach und hoch motiviert sind sie doch eigentlich alle,
die Künstlerinnen, mitunter, weil auch die Gegebenheiten im
Kunstbetrieb noch so sind, dass verschlafene Zeitgenossen nur dann
eine Chance haben, wenn sie männlich sind. Ein Stadtrundgang, der zu
Kunst von unterschiedlicher Qualität führt, aber auf jeden Fall wach
hält, motiviert und im besten Sinn Anstoß erregt. Alleine schon,
weil die Existenz und Art dieses Projekts doch einiges über den
Zustand und die Mängel in Gesellschaft und Kulturlandschaft
aussagen.