22.09.2003 18:10
Seltsame Besitzerwechsel eines Bildes
Die Republik erwarb 1994 von Rudolf Leopold ein Hollegha- Gemälde, das
sie schon einmal angekauft hatte - Der einstige Diebstahl blieb bis zum Sommer
unbemerkt - Foto
Wien - 1956 war Wolfgang Hollegha, der bis 1954 an der Akademie
studiert hatte, noch recht unbekannt: In der Galerie St. Stephan fand seine erst
zweite Ausstellung statt. Das Unterrichtsministerium erwarb dennoch um 3.500
Schilling eines seiner Ölgemälde, ein kleinformatiges (37 mal 45 Zentimeter) mit
dem Titel Komposition mit 2 Kreisen II, das eben erst entstanden war.
Im
Frühjahr 1967 widmete das 20er-Haus im Schweizergarten (heute: Museum Moderner
Kunst) Hollegha eine Personale. Und zeigte als Leihgabe des
Unterrichtsministerium das oben genannte Werk: Es ist samt Besitzvermerk im
Katalog abgebildet. Danach verliert sich die Spur.
Tatsache ist aber,
dass die Artothek des Bundes, die das Werk - wie alle anderen Förderankäufe auch
- inventarisierte, nicht im Besitz desselben ist. Welche Person das Werk zuletzt
ausgeliehen hat, sei nicht bekannt, heißt es auf Anfrage des Standard. Tatsache
ist zudem, dass jedes Objekt mit einer Inventarnummer samt Hinweis auf den
Eigentümer versehen wird.
1994 kaufte die Republik um umgerechnet 160
Millionen Euro die umfangreiche Sammlung des Wiener Augenarztes Rudolf Leopold
an. Grundlage bildete ein Schätzgutachten, das von Gerbert Frodl, dem Direktor
der Österreichischen Galerie, und Herbert Giese, einem Kunsthändler, erstellt
worden war. Als Nummer 4142 hatten sie das Gemälde inventarisiert.
Es
hängt nun im Leopold Museum, trägt den Titel Abstrakte Komposition - und gleicht
der Komposition mit 2 Kreisen II völlig. Auf der Homepage des Museums wird keine
einzige Angabe bezüglich der Provenienz gemacht. Der Verdacht liegt nahe, dass
die Komposition mit 2 Kreisen II irgendwann gestohlen und von Rudolf Leopold
erworben wurde. Durch den Ankauf der Sammlung gelangte es erneut in den Besitz
des Bundes.
Rudolf Leopold sagt gegenüber dem STANDARD, er habe das Bild
Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre im Dorotheum ersteigert. Er glaube sich
vage an einen Kaufpreis zwischen 20.000 und 30.000 Schilling erinnern zu
können.
Auktionshaus muss Name des Verkäufers angeben
Über
das Fehlen des Bildes informierte die Artothek das Bundeskanzleramt bereits im
Juli. Und auch das Leopold Museum wurde in Kenntnis gesetzt. Helmut Moser,
Vorstandsvorsitzender der Stiftung, lässt gegenwärtig die Angaben von Rudolf
Leopold prüfen und erbat vom Dorotheum die Verkaufsunterlagen. Bisher sei man
aber noch nicht fündig geworden. Sollte Leopold das Bild tatsächlich beim
Dorotheum - und daher rechtmäßig - erworben haben, werde die Stiftung keine
Konsequenzen ziehen. Aber man werde vom Auktionshaus verlangen, den Einbringer
bekannt zu geben, da eben der Verdacht des Diebstahls vorliege. Die
Kriminalpolizei wurde nicht eingeschaltet.
"Wenn wir aber nicht beweisen
können, dass Leopold das Bild ordnungsgemäß erworben hat, dann werden wir es der
Artothek zurückgeben", sagt Moser. In diesem Fall will sich die Stiftung an
Leopold schadlos halten, da der Sammler den rechtmäßigen Besitz gewährleistet
hat. Leopold müsste in diesem Fall der Stiftung 27 Prozent des Schätzwertes
zurückerstatten (da die 160 Millionen Euro 27 Prozent des Gesamtschätzwertes der
Sammlung entsprechen).
Bei der Recherche nach den Standorten ihrer
Kunstwerke entdeckte die Artothek zudem das Fehlen von Josef Dobrowskys
Damenbildnis in roter Kappe, das während der NS- Zeit, konkret 1941, erworben
worden war. Just Viktor Matejka, erster Kulturstadtrat der Nachkriegszeit, hatte
sich das Bild im Sommer 1945 ausgeliehen. Der Kommunist gab es nie zurück. Auch
in diesem Fall wurde die Kripo bisher nicht zurate gezogen. (DER STANDARD,
Printausgabe vom 23.9.2003)