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derStandard.at | derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
15. Dezember 2008
17:46 MEZ

Bis 4. Jänner 2009

 

Christoph Weber stellt sich in der neuen Bawag-Contemporary als "Postpopneokonzeptualist" vor.


Offspace ohne Sorgen
Die Bawag-Foundation erweitert ihren Kunst- und Jugendbegriff: Eröffnungsausstellung von Christoph Weber - Jahresprogramm: "Young and Reckless"

Wien - Waghalsig, unbekümmert, sorglos: So sollen all die Künstler sein, die in den nächsten 12 Monaten jenen Raum in der Wiener Barnabitengasse bespielen werden, der einst eine PSK-Filiale war. "Jung" wäre auch noch gut. Jedenfalls beweisen Franz Erhard Walther und die Chicks on Speed, dass im neuen Raum für "die jüngere, mobilere Künstlergeneration" der Jugendbegriff ein erweiterter ist, und sein Profil ein prospektiv flexibles.

Weil, sagt Christine Kinisch, Leiterin der Bawag-Foundation und gemeinsam mit Brigitte Huck für deren Erweiterung "Bawag-Contemporary" verantwortlich: "Sollte sich der Trend innerhalb des nächsten Jahres in eine andere Richtung entwickeln, können wir uns den neuen Bedürfnissen dann flexibel anpassen." Bis dahin jedenfalls heißt das Jahresprogramm Young and Reckless.

Zur Demonstration dieser Haltung wurde das Budget der vergleichsweise behäbigen Mutterfoundation mit 150.000 Euro aufgestockt - zielgruppenorientierter Lounge- und Konzertbetrieb inklusive. Schließlich ist der Ort einigen wenigen verbliebenen Unbekümmerten aus dem Nachkriegswien noch immer als das Tanzcafé Westminster mit dem Adjektiv "sorglos" in verklärter Erinnerung.

Aber egal. Wien fehlt ein Ort für institutionelle Erstpräsentationen, und einen solchen könnte man hinter dem Wiederauferstehen nach dem Filialsterben ja vermuten. Der Eintritt ist frei, und die Vernissagen werden regelmäßig jeden ersten Mittwoch im Monat abgehalten. Und betreffs Laufpublikum ist die Mariahilfer Straße nicht weit. Ein Off-Space mit Budgetgarantie durch die Vorstandsdirektorin einer traditionsreichen Bank ist auch international gesehen bemerkenswert. Immerhin 200 Quadratmeter Fläche bietet der nun schalterfreie Raum, riesige Fenster sorgen für Licht und vielleicht auch für weniger Schwellenangst.

Im Loungebereich (Gestaltung: Harald Hasler) sorgen Sitzmöbel aus dem Bawag-Fundus für Geborgenheit bei jungen Menschen im volksdemokratischen Outfit und für sentimental kalte Schauder bei den Zeitzeugen des Bonzenbarock österreichischer Ausprägung.

Die Eröffnungsschau besorgte Christoph Weber. 1974 in Wien geboren, studierte er Kunst in Leipzig, Wien und Düsseldorf bei Astrid Klein, Renée Green und Georg Herold. Von Letzterem dürfte er die Methode des subversiven Bastelns vor - aus der Distanz intensiv wahrgenommenem- historischem Hintergrund übernommen haben. Was unweigerlich zu "postpopneokonzeptuellen" Ergebnissen führt, die hoch elaborierte Breitbandfallen darstellen, in die zu tappen aus allen denkbaren Himmelsrichtungen gleich gut funktioniert. Man kann sich jetzt über den stetig wiederkehrenden Fehler in seinen Aluminiumwerkstücken (ausgewiesen als kalte Massenproduktion) in Marginalien zum globalen Kapitalismus verlieren. Man kann mit ein wenig Allgemeinbildung die Wolkentürme eines unbekannten Kupferstichs aus dem womöglich 17. Jahrhundert als Zitat erkennen, sofort das Texte-zur-Kunst-Handwerkszeug anlegen und in den beliebten Wordrap zur medialen Reproduktion einstimmen.

Oder aber man erkennt ganz ohne Gebrauchsanleitung in Papiermaché nachgebildete Pariser Pflastersteine, die unmittelbar in einen revolutionären Zusammenhang gebracht werden wollen - was einen wieder zu den Plattenbauten einschlägig belasteter Regime führt, oder zu Minimal Art - oder eben zu Georg Herold.

Wenn man aber macht, was nicht geht - der Ausstellung naiv zu begegnen, funktioniert sie auch ganz super. (Markus Mittringer, DER STANDARD/Printausgabe, 16.12.2008)

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