Impressionismus: Das Zeitalter des Lichts
Maltechniken. Mit der Entwicklung des Impressionismus brach für die Malerei ein neues Kapital an. Herkömmliche Techniken wichen einer neuen Sicht und vor allem leuchtenden Farben.
Bernhard Schreglmann Bis zum 10. Jänner 2010 steht die Albertina in Wien im Zeichen des Impressionismus. Albertina-Chef Klaus Albrecht Schröder ist es gelungen, 130 Werke aus der ganzen Welt nach Wien zu holen.
Was unterscheidet die Albertina-Schau von anderen Impressionismus-Schauen?
Schöder: Zum einen muss man sagen, dass es seit 1945 noch nie in Österreich und Mitteleuropa eine große Impressionismus-Schau gegeben hat. So sehr sie üblich sind in Washington, New York oder London, so unüblich sind sie in Mittel- und Zentraleuropa, vor allem weil es hier wenige Werke in den permanenten Schausammlungen gibt. In Österreich gab es die letzten Schauen zwischen 1900 und 1920 in der Secession. Einzige Ausnahme was 1996 die Monet-Ausstellung in der Österreichischen Galerie.
Trotzdem haben wir hohe Ansprüche. Wir stellen Fragen, die so wichtig sind wie: Womit haben sie gemalt? Welche technologischen Voraussetzungen gab es? Hätte man auch 50 Jahre vorher so malen können?
Hat die Technik einen großen Einfluss auf die Entwicklung des Impressionismus gehabt?
Schröder: Bis 1800/1820 hat es immer nur dieselben zehn Farben gegeben. Dann wurden innerhalb von 40 Jahren 60 neue Farben, teilweise synthetisch, hergestellt. Einige dieser Farben wurde wegen ihrer Giftigkeit wieder verboten. Doch all diese Farben haben eine Leuchtkraft und Strahlkraft entwickelt, die ein völlig neues Sinneserlebnis ermöglicht haben.
Wichtig war die Entwicklung der Farbtube und wenig später der Tube mit Schraubverschluss. Bis dahin gab es Farbe nur als Pulver. Das Hinausgehen in die Natur wurde zudem nur möglich durch neue Reisemalkästen, Farbtuben, Staffeleien und neue Pinsel.
Neu waren auch die Rahmen, die schlicht weiß und flach waren. 500 Jahre waren Gemälde in goldenen Rahmen, einer Farbe, die es im Bild nicht gibt. Beim Impressionismus schaut man aber nicht durch den Rahmen in ein Bild, sondern Bild und Rahmen sind eine Einheit. Wir zeigen einen Originalrahmen und Nachbildungen.
Die Impressionisten haben auch nicht mehr strategisch gemalt mit Studien, Skizzen etc. Dennoch gab es Vorarbeiten. Van Gogh hat etwa einen Perspektivenrahmen in die Erde gesteckt mit einem Liniengespinst. Daraus hat er das Bild entwickelt. Durch Röntgen-, UV- oder Infrarotaufnahmen konnten wir sichtbar machen, wie ein Bild aufgebaut wurde.
Wir sind der Frage nachgegangen, ob selbst die großen Gemälde im Freien entstanden sind. Monet hat ja behauptet, dass er kein Atelier besitzt. Durch mikroskopische Aufnahmen konnten wir bei einem Meeresbild Sandkörner nachweisen, beim Bild einer Pappelallee haben wir Samen gefunden.
Warum verbindet man mit dem Impressionismus den Begriff der „Moderne“?
Schröder: Weil es die Geburtsstunde der Moderne ist. Die Lichthaltigkeit und die Freiluftmalerei lösen die Methoden von 500 Jahren Malerei ab. Die übliche Form der Vorbereitung wird ersetzt durch Manufakturen und Fabriken, die standardisierte Leinwände, Farben etc. herstellen. Ob Matisse oder die Pointillisten, all diese „Paten der Moderne“ mussten durch die Schule des Impressionismus gehen, um sie zu überwinden.
Erst durch Cézanne konnte danach Picasso werden. Die Kunst des Impressionismus ist die Erfindung einer eigenen Natur, das ist das Wesen der Moderne.
Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Köln?
Schröder: In Köln war die Schau nur sehr reduziert. Wir haben von dort 70 Werke übernommen, zeigen aber 130. Sechzig Werke sind aus aller Welt dazugekommen. Wir zeigen erstmals das Original von Monets „Seineufer“ neben einer Fälschung, die 80 Jahre für das Original gehalten worden ist.
Welche Rolle spielen private Sammlungen für Häuser wie Ihres bzw. für solche Ausstellungen?
Schröder: Die Impressionismus-Schau würde es ohne die Sammlung Batliner nicht geben: Zehn Gemälde aus dieser Sammlung können wir zeigen. Außerdem haben wir Hauptwerke des Impressionismus aus Madrid, Prag oder Budapest nur deshalb bekommen, weil wir im Gegenzug aus der Sammlung Batliner Werke dorthin verliehen haben.
Weil die spärlichen öffentliche Mittel zu gering sind, könnten wir ohne private Sammlungen nicht überleben. Wir sind also auf Private angewiesen. Das hat schon vor 200 Jahren Wilhelm von Humboldt formuliert: „Wir sammeln Sammler, weil wir so arm sind.“




















