Trug die bedeutendste Privatsammlung Österreichs
zusammen
Kunstsammler Leopold verstorben
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Rudolf Leopold (1925 - 2010).
(© APA / Günter Artinger)
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Von WZ Online
Wien. Der österreichische Kunstsammler
und Museumsdirektor Rudolf Leopold ist heute, Dienstag, am frühen
Nachmittag nur wenige Monate nach seinem 85. Geburtstag in einem Wiener
Krankenhaus gestorben. Dies teilte das Leopold Museum mit.
Aus den Schlagzeilen ist Rudolf Leopold in den vergangenen Jahren
vor allem wegen der strittigen Provenienz von Teilen seiner Sammlung
nicht herausgekommen - derzeit wird sie von Forschern untersucht, die
ihm persönlich wichtigste Entscheidung sollte der einstige Augenarzt mit
dem sicheren Sammlerblick allerdings nicht mehr erleben: Das Schicksal
des seit einem Jahrzehnt beschlagnahmten "Bildnis Wally", das er bis
zuletzt gegen eine Vergleichszahlung aus den USA zurückzuholen
versuchte.
Rudolf Leopold wurde am 1. März 1925 in Wien geboren, wo er 1943
maturierte und nach dem Krieg Medizin studierte. Er wurde 1953
promoviert und spezialisierte sich anschließend auf die Augenheilkunde.
Schon während seines Medizinstudiums nahm Leopold auch ein Studium der
Kunstgeschichte auf und begann ab 1947 Bilder und Kunstobjekte zu
sammeln. Ein Gemälde von Friedrich Gauermann war die erste Erwerbung,
deren Kaufpreis der Student mit Nachhilfestunden finanzierte. Das
Aufnehmen von Krediten, das Tauschen von Kunstwerken, der finanzielle
Balanceakt hat Leopold sein ganzes Leben begleitet.
Zu Beginn waren es die Alten Meister und die Kunst des 19.
Jahrhunderts, die ihn interessierten, bis ihm 1950 der Oeuvre-Katalog
Egon Schiele von Kalir-Nierenstein in die Hände fiel. Ein
"Damaskuserlebnis", das den weiteren Weg des Sammlers zum kompetentesten
Schiele-Experten bestimmte. Dabei kümmerte ihn wenig das damals
abschätzige Urteil der Fachwelt. 1955 stellte Leopold für eine
Ausstellung moderner österreichischer Kunst im Stedelijk Museum in
Amsterdam eine Auswahl der Werke Schieles zusammen, die große
internationale Resonanz brachte und eine Trendwende in der
internationalen Rezeption des Künstlers einleitete.
Mit einer Reihe weiterer Ausstellungen sowie mit wissenschaftlichen
Arbeiten wie der Erarbeitung einer großen Monografie begründeten den Ruf
der Sammlung Leopold als "Schatzkammer des 20. Jahrhunderts" (Erhard
Busek). In dieser sind neben der weltweit wichtigsten Schiele-Kollektion
auch signifikante Arbeiten von Gustav Klimt oder Oskar Kokoschka sowie
bedeutende Werkblöcke von Albin Egger-Lienz, Richard Gerstl oder Alfred
Kubin zu finden.
Die genaue Bestandsaufnahme und Schätzung seiner Kollektion wurde
Mitte der 90er Jahre zum mit Spannung verfolgten Krimi. Auf
unvorstellbare 7,9 Milliarden Schilling (574 Mio. Euro) wurde
schließlich seine über 5.000 Objekte umfassende Sammlung geschätzt,
insgesamt 2,2 Milliarden Schilling (160 Mio. Euro) hatte die Republik
Österreich und die Österreichische Nationalbank dafür bis 2007 in
Ratenzahlungen zu überweisen.
Das von Ortner & Ortner im Museumsquartier errichtete und 2001
eröffnete Leopold Museum sorgte seither allerdings ununterbrochen für
Kontroversen: Als Privatstiftung nicht vom Restitutionsgesetz erfasst,
geriet die Sammlung immer wieder unter Anklage von Erbengruppe, die etwa
Schieles "Häuser am Meer" zurückverlangen. In den vergangenen zwei
Jahren hatte sich auch der Tonfall zwischen Leopold und der
Isrealitischen Kultusgemeinde (IKG) immer mehr zugespitzt.
Erst Anfang Februar waren die Dossiers der unabhängigen
Provenienzforscher, die im vergangenen Jahr die Herkunft von 23
Kunstwerken im Leopold Museum untersuchten, veröffentlicht worden.
Leopold strebte jedoch stets einen Vergleich statt einer Rückgabe an.
Sollte die Stiftung nun nach Leopolds Ableben beschließen, in
Bundeseigentum überzugehen, wäre allerdings das Restitutionsgesetz auf
die Sammlung anzuwenden. Der nun aus 3 "Leopold"-Vorstandsmitgliedern
und 4 "Bundes"-Vorstandsmitgliedern bestehende Stiftungsvorstand wurde
für morgen Vormittag einberufen. (APA)
Dienstag, 29. Juni 2010 15:35:00
Update:
Dienstag, 29. Juni 2010 15:51:00
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