Inszenierungen von Künstlern

Erich Lessings Porträts von Mozart, Haydn, Beethoven, Galilei, Newton oder Kopernikus sind bis Ende Mai im Palais Palffy zu sehen.
Von Kristina Pfoser.


Erich Lessing
Erich Lessing
Chruschtschow, Eisenhower, de Gaulle, Willy Brandt - der österreichische Fotograf Erich Lessing hat sie alle vor der Linse gehabt. Die großen Staatsmänner der Gipfelgespräche der Nachkriegszeit wurden von ihm ebenso festgehalten wie der Blick des anonymen Flüchtlings in Ungarn oder ein Kind vor den Ruinen des zerbombten Berlin.

Mit seinen Dokumentationen über den Ungarn-Aufstand, das jüdische Osteuropa und die Zeit des Wiederaufbaus im Kommunismus wurde er international berühmt. Seine Bilder erzählen Geschichten, denn sie entstehen in Serien. Er selbst bezeichnet seine Arbeiten als Erzählfotos, anhand derer man politisch-historische oder künstlerische Zusammenhänge erkennen kann. "Einzelbilder haben mich als Reportage-Fotograf nie interessiert", bekennt Lessing.

Zweites Leben

Zum Vergrößern anklicken
Zum Vergrößern anklicken
1956 begann für Erich Lessing
ein - wie er es nennt - "zweites fotografisches Leben". Anstoß dazu waren die politischen Wirren in Ungarn. "Wir haben gesehen, dass - mit Ausnahme von Vietnam - Reportagen in der Politik nichts ändern", erinnert sich Lessing. Daher hat er sich in andere "Lieblingsgegenden" zurückgezogen: ins Theater, in die Oper und in die Museen. "Seit damals leiste ich mir das Vergnügen, etwa im Louvre zu sein, wenn sonst niemand dort ist."

Evokationen

In den Museen erhielt Erich Lessing denn auch den Anstoß zu seinen so genannten "Evokationen", zu inszenierten Foto-Arbeiten mit persönlichen Utensilien oder Arbeitsinstrumenten berühmter Künstler oder Wissenschaftler.

Dafür wandte er sich wieder Aufnahmen von 1956 bis Ende der 60er Jahre zu und versuchte "anhand von Versatzstücken gewisse atmosphärische Möglichkeiten der Originale auszuschöpfen", so Lessing, "da jedes Original, wie etwa Schuberts Brille eine Aura hat."

Zum Vergrößern anklicken
Zum Vergrößern anklicken
Schuberts Brillen, Beethovens Hörrohr, Originaldokumente und -gegenstände mit ihrer "Aura" wurden in ihre ursprüngliche Umgebung zurückgeführt und dort abgelichtet. Damals war es noch möglich, etwa Kopernikus Manuskript mit nach Hause zu nehmen oder Beethovens Hörrohr oder Mozarts letzte Noten aus der Vitrine zu holen. "Denn die Direktoren waren froh, dass endlich jemand kommt, der fotografiert", reminisziert Lessing.

Inszenierung am Computer

Heute kann - dank der digitalen Bildbearbeitung - eine Inszenierung von Gegenständen ohnehin am Computer vorgenommen werden. Erich Lessing hat da keine Berührungsängste. Seine Bilder speichert Erich Lessing jetzt digital - im Lauf der Jahre ist bereits eine große Diathek entstanden.

Beethovens Hörrohr auf dem Autograph der
Beethovens Hörrohr auf dem Autograph der "Eroica"

Erich Lessing beschränkt sich aber nicht nur auf die Verwaltung seines Bestandes. Soeben ist er aus Sizilien zurückgekommen, wo er an einem Projekt - einer Mischung aus Landschaft, Skulptur und Architektur - arbeitet. Daneben beschäftigt er sich noch mit der fotografischen Aufarbeitung von Ovids Metamorphosen.

Link: Evokationen. Musiker, Wissenschafter, Dichter von Erich Lessing sind vom 5. April bis zum 28. Mai im Wiener Palais Palffy zu sehen.

Radio …sterreich 1