MAK/Kunstblättersaal: Arbeiten von Josef Binder
Aus Wien emigriert, in den USA erfolgreich geworden
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Der zweite Teil der Ausstellung des Nachlasses von Joseph
Binder (1898 bis 1972) nach den bereits erfolgreichen Wiener Jahren (im
Dezember 2000 im MAK) ab 1933 in New York zeigt, dass er zu den wenigen
Emigranten zählte, die sich durchaus mit der neuen Situation zurechtfanden
und ihre künstlerische Arbeit zu vermarkten verstanden. Dabei blieb er
parallel aber den abstrakten Ideen der Kunstgewerbeschule verbunden und
malte neben seinem Brotberuf als Gebrauchsgrafiker geometrisch abstrakte
(von ihm non-objective genannte) Bilder, die auch in diese zweite
Werkschau eingebunden sind. Auch freie Zeichnungen von seinen Reisen sind
am Beginn zu finden. Der Erfinder des Meinl-Mohren war für die
US-Navy, für United Airlines und für Bekleidungsfirmen tätig; er gewann
mehrere wesentliche Plakatwettbewerbe und schuf bereits in den fünfziger
Jahren teils knappe, teils stärker gegenständliche Logos für die Navy,
deren patriotische Aufschriften momentan zusätzliche Aktualität haben. Die
Entwürfe dazu - zeitweise in Pastell oder Ölkreide - sind ebenso
interessant wie die erhaltenen Fotos und seine Äußerungen zur
künstlerischen und politischen Situation. Der Löffler-Schüler konnte sich
vom Lehrenden an Colleges zum freien Designer hocharbeiten und stellte
seine Plakate bereits 1937 in New York aus. Daneben studierte er Malerei
bei Hans Hoffmann. Ab 1953 kam er wieder nach Wien, wurde hier Träger
des Professorentitels und bereitete 1972 eine große Werkschau im MAK vor,
als er überraschend verstarb. Seine Witwe Carla Binder hat zum Nachlass
auch einen Designerpreis gestiftet, der erstmals 2002 verliehen werden
wird. Zum Gesamtwerk ist zur wieder von Rainald Franz kuratierten Schau
nun auch ein aufschlussreicher Katalog erschienen.
Erschienen am: 15.11.2001 |
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