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| 22.09.2003 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Museen: Fäkalkunst und Pfirsichsekt | ||
| 370 Museen hielten am Samstag in ganz Österreich länger offen. Mehr als 250.000 Menschen nützten das Angebot. Ein Rundgang in Wien. | ||
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Wos? Wie long dauert des jetzt? Zwaa Stunden?" Entsetzen blinkt im Auge
der Frau in der vorletzten Reihe. Sie hat einen Platz im Project Space der
Wiener Kunsthalle ergattert. Andere waren weniger glücklich, oder
zumindest weniger schnell: Nase an Nase reiht sich plattgedrückt an die
großen Glasfenster des Veranstaltungsraums - draußen. Grund des Interesses
ist eine Performance von Ex-Pornostar Annie Sprinkle im Rahmen der
Ausstellung "Sex in the City". In wallendem Pink begrüßt sie ihr
vorwiegend junges Publikum mit der Frage "Sind eh alle über achtzehn
hier?" Denn dann legt sie los: Mit dem Video "Zen Pussy" - eine Meditation
über elf nackte weibliche Geschlechtsorgane. Ein ratloses Publikum im
Project Space lacht verlegen. Zwei Stunden? Die können lang
werden . . . Ja, die moderne Kunst, die ist nicht jedermanns Sache:
Die dreißigjährige Birgit Stabel zum Beispiel hat es in der "Langen Nacht
der Museen" in das Museum Moderner Kunst im Museumsquartier verschlagen.
Aber an der Mal-Aktion, zu der dort eingeladen wird, möchte sie nicht
teilnehmen. "Wenn das wieder Aktionismus ist, dann ned", sagt sie resolut
und schüttelt verstört den Kopf über Fäkalkunst und ähnliches. Die Dame
mit den Pinseln, Maria Bucher, freut sich über jeden Interessierten: "Wenn
jetzt noch jemand kommt, könnten wir anfangen." Wie viele Teilnehmer sie
denn schon habe? "Na ja, mit ihnen: eine . . ." Aber es ist
ja auch erst halb acht. Vor dem Kunsthistorischen Museum: Der Mann im Anzug
scheint auf seine Frau zu warten. Nach seinem strengen Blick zu urteilen,
dürfte sie sich freilich ordentlich verspäten. Aber dann piepst ein
Funkgerät aus seiner Brusttasche. Immerhin nur ein Funkgerät. Sichtbar
mehr Security als sonst versieht ihren aufmerksamen Dienst im Museum -
nach dem Raub der "Saliera" bei der vergangenen "Langen Nacht der Musik".
Josef Götschl, Aufseher an der Stiege: "Ja, natürlich schau ich mir heute
die Leute ein bisschen genauer an". Schlechte Karten für Besucher
Friedrich Eggarter, der lachend meint: "Vielleicht find ich mir ja einen
schönen Aschenbecher." Die "Lange Nacht der Museen" ist also keine
Shopping-Tour. Außer man ist sich seiner Endlichkeit bewusst und macht
einen Abstecher ins Bestattungsmuseum. Gar nicht makaber, bei Soletti und
Apfelsaft, geht es in diesem Bestattungsinstitut von der historischen
Holzkiste direkt zum käuflichen Edelstahlsarg mit bestickten Polstern.
"Dann fragen die Leute oft, ob sie Probe liegen dürfen. Ich sag dann
immer, der ist vergeben", sagt Aufseher Martin Wrulich mit gequältem
Lächeln. Zum Thema Qual: Shuttlebus Linie Drei fährt zum
Foltermuseum. Dicht, sehr dicht gedrängt atmen erschöpfte Menschen
knoblauchschwangere Luft. "Da ist ja schon der Bus die Folterkammer",
sagen einige. Dann knallt einem unverhofft ein mit Helium gefüllter
Luftballon auf die Stirn. Auch Kinder dürfen heute länger aufbleiben.
Familienfreundlich ist das Foltermuseum mit Streckbank
und Daumenschrauben nicht gerade. Also lieber zur Hutparade ins harmlose
"Hutmuseum" in der Josefstadt. Gefragt wird nicht viel: "Da hätt' ich
einen schönen Offiziershut für sie". Weil: "Mit einem Tschako macht ein
Mann gleich viel mehr her", sagt Harald Emberger, der Erinnerungsfotos
schießt. Gackernd steht eine Gruppe Frauen vor dem Spiegel und probiert
wagenradgroße Modelle, einmal mit Masche, einmal mit Blume. Der
Pfirsichsekt aus dem angeschlossenen Weinkeller zeigt offensichtlich
Wirkung. Enchantée. |
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