Das Land Kärnten zieht sich aus dem
Projekt "Gironcoli-Kunsthalle" in Bad Bleiberg zurück. Dies teilte
Landeshauptmann Jörg Haider (F) am Donnerstagabend in seiner Eigenschaft
als Kulturreferent mit. Das Land habe jedenfalls alles getan, um diese
große kulturelle Chance für Kärnten zu nützen.
Begründet wird der Rückzug in einem Brief an den Künstler damit, dass
gemachte Zusagen erst verspätet bzw. gar nicht eingehalten wurden. Das
großzügige Angebot des Landes sei nicht angenommen worden. Das Land habe
Millionenbeträge für die Adaptierung bzw. Umbaumaßnahmen der ehemaligen
Erzaufbereitungshallen (für eine Kunsthalle) in Bad Bleiberg
gesichert.
Keine längere Bindung möglich
Weiters seien Stiftungskapital gesichert, Verhandlungen mit Bund und
Sponsoren geführt und auch Kosten für personelle Ressourcen und
Projektkosten übernommen worden. Trotz der langen Wartezeit sei es nicht
gelungen, die Intentionen umzusetzen und einen Vertragsabschluss zu
erreichen. Das Geld könne aber nicht noch länger gebunden werden, so
Haider.
Künstler säumig
So sei Übereinstimmung darüber erzielt worden, dass ein
vervollständigtes Werkverzeichnis samt Bildnachweis bis zum 15. April 2002
fertig zu stellen sei. Auch seitens des Anwaltes des Landes seien die
ausständigen Unterlagen immer wieder eingefordert und Aufklärung darüber
erbeten, welche bestehenden Vereinbarungen hinsichtlich der Skulpturen mit
Galeristen, Kunsthändlern, Gießereien, usw. bestehen und ob es auf die
Figuren Ansprüche Dritter gibt, bzw. ob im Zusammenhang mit den Figuren
noch Ansprüche gegenüber Dritten bestünden, betonte Haider.
Am 20. April 2002 habe Gironcoli darum gebeten, die Projektvorbereitung
auszusetzen. Dann sei mitgeteilt worden, dass das von den Repräsentanten
des Landes Kärnten am 18. März 2002 formulierte Angebot an Gironcolis
"grundsätzlich positiver Einstellung" nichts geändert habe. Weil bis heute
weder das mehrfach zugesagte vervollständigte Werkverzeichnis samt
Bildnachweis noch die Rekonstruktionsanweisungen übermittelt wurden und
seit mehr als einem halben Jahr trotz Urgenz keinerlei Mitteilung mehr
erfolgte, wurde die Konsequenz seitens des Landes gezogen, sich vom
gemeinsamen Vorhaben zurückzuziehen, teilte der Landeshauptmann mit.
Steirisches Angebot
Unterdessen hat die Steiermark nach dem Bekanntwerden des "Aus" für ein
geplantes Museum Gironcoli im Kärntner Bad Bleiberg rasch reagiert: Wie
der Künstler bereits Ende April angedeutet hatte, soll ein Teil seines
Oeuvres im oststeirischen Schloss Herberstein präsentiert werden, hieß es
am Freitag.
Für Mittwoch, 28. Mai, beriefen Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (V),
die die Kulturagenden wahrnimmt, Gironcoli selbst und Schlossherrin Andrea
Herberstein eine Pressekonferenz im Bundeskanzleramt ein.
Klasnic: Details erst bei PK
Am Freitag gab man sich im Büro Klasnic und beim Schloss Herberstein
(Bezirk Hartberg) zugeknöpft: Details werde man erst bei der
Pressekonferenz nennen, an der auch Kunststaatssekretär Franz Morak (V)
und der Architekt Hermann Eisenköck teilnehmen werden.
Thema: Präsentation des Projekts "Gironcoli-Museum in Herberstein". Dem
Vernehmen nach soll auf dem Gelände des Schlosses ein
2.000-Quadratmeter-Gebäude entstehen. Seitens der Schlossverwaltung hieß
es zu den Museumsplänen lediglich, man stehe schon länger in
Verhandlungen. Schloss Herberstein ist vor allem bekannt durch seinen
Tierpark und als Veranstaltungsort für zahlreiche Ausstellungen zu den
Werken von Künstlern wie etwa Julian Schnabel und Kiki Kogelnik. Auf
Schloss Herberstein wurde auch die steirische Landesausstellung 1986
"Brücke und Bollwerk" gezeigt.
Ambrozy wirft Haider Versagen vor
Für den Kärntner SPÖ-Vorsitzenden LHStv. Peter Ambrozy hat
Landeshauptmann Jörg Haider (F) bei der "Gironcoli-Kunsthalle" eine
einmalige Chance vertan. "Haiders Kulturpolitik beschränkt sich auf eine
reine Ankündigungspolitik, Disziplinierungsversuche und Events, bei denen
sich der Kulturreferent selbst in Szene setzen kann", stellte Ambrozy
fest.
Mit dem Museum für Bruno Gironcoli hätte man die einmalige Chance
gehabt, eine Brücke zu einem einmaligen zeitgenössischen Künstler und
seinen Kärntner Wurzeln zu schlagen. Haider habe daraus zuerst eine "never
ending story" gemacht und die einmalige Möglichkeit, Gegenwartskunst in
Kärnten eine Heimat zu geben, letztlich in den Sand gesetzt. Ambrozy:
"Gironcolis asynchrone Position in der Kunstszene hätte die Möglichkeit
geboten, Kärnten international zu positionieren".
Weitere Reaktionen
Die Kultursprecherin der Bundes-SPÖ, Christine Muttonen, bezeichnet in
einer Aussendung den Rückzug des Landes Kärnten als "überaus bedauerlich".
Sie halte die Argumentation Haiders "für vorgeschoben".
ÖVP-Landesobmann Georg Wurmitzer bedauert ebenfalls den Rückzug des
Landes, schlägt jedoch vor, mit Bruno Gironcoli nochmals ein offizielles
Gespräch zu führen. "Es sollte wenigstens ein Teil der umfassenden
Sammlung in Kärnten als Heimat des Künstlers einen Platz finden und daher
eine positive Lösung gesucht werden", so Wurmitzer.
Bedeutender Bildhauer Gironcoli
Bruno Gironcoli gilt neben Fritz Wotruba als der bedeutendste
österreichische Bildhauer der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Geboren
wurde er am 27. September 1936 in Villach. Er wuchs in Kärnten und Tirol
auf. 1951 nahm er in Innsbruck eine Goldschmiedelehre auf und begann nach
der Gesellenprüfung seine künstlerische Ausbildung.
Von 1957 bis 1959 sowie von 1961/1962 studierte er an der Akademie für
angewandte Kunst in Wien, anschließend hielt er sich in Paris auf, wo er
in der Arbeit von Alberto Giacometti den wichtigsten künstlerischen Impuls
für sich entdeckte. 1975 übernahm er von Wotruba die Meisterklasse für
Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. In seinen
monumentalen Plastiken vereinigt er antropomorphe und biomorphe Formen mit
symbolischen Bezügen. Bruno Gironcoli wird Österreich bei der diesjährigen
Biennale Venedig vertreten.