09. Mai 2005
20:58 MESZ
Unendliche Weiten der liegenden Acht
Rotsehen in der Raumstations-Endlosschleife: Heiner Blum stellt im
MQ das Auge auf die Probe
Das Auge ist ein Gewohnheitstier. Damit lässt sich trefflich
arbeiten. Ob das dann Kunst, Spezialeffekt oder Schabernack ist, ist Sache des
Betrachters - etwa wenn der sich im Hof des Wiener Museumsquartieres ins Innere
von Heiner Blums vom Tanzquartier Wien am Montag hier aufgestellter roter
Schleife wagt. Denn Blum lässt in seinem Loop das Auge ins Leere laufen: "Wir
orientieren uns an Kanten und Ecken - so können wir Entfernungen und Richtungen
abschätzen", erklärt der auf experimentelle Raumkonzepte spezialisierte
Künstler. Und in seiner aufgeblasenen, liegenden Acht gibt es halt nur sanfte
Krümmungen. Prompt verabschieden sich dort Orientierungs-und Entfernungssinn: So
geht es wohl dem Goldfisch, wenn er auf dem Rundkurs im Glas glaubt, unendliche
Weiten zu bereisen. Freilich tragen da bei Blums Schleife da auch das satte,
nach ein paar Minuten vom Auge auf Rosé heruntergepegelte Rot und das halbweiche
Mondbasis-Verbindungsgang-Feeling dazu bei: Das Auge ist ein Gewohnheitstier -
es hinters Licht zu führen ist "spooky". (Rottenbergs Boulevard, DER STANDARD,
Printausgabe, 10.05.2005)
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