Paris Hilton weiß es: Mit Geschenken kann man auch überrumpelt werden. Ihr öffentlich ein paar Ski zu überreichen und sie damit als Werbeträger zu missbrauchen, so was! Dem Kaiser wäre das nicht passiert. Er nahm nicht jedes Geschenk an – für den Geschenkgeber war es daher ratsam, vorher um Geschenkannahme anzusuchen. Abgelehnt wurde nicht aus Snobismus. Doch was hätte Kaiserin Elisabeth mit mehreren hundert Hunden anfangen sollen?
Spezielle Geschenke an das Kaiserhaus sind derzeit im Prunksaal der Nationalbibliothek ausgestellt: Die Schau „Geschenke an das Kaiserhaus. Huldigungen an Kaiser Franz Joseph und Kaiserin Elisabeth“ hat ab heute ihre Pforten geöffnet. Zu sehen sind 86 Huldigungsadressen – Grußbotschaften, die in prächtig gestalteten Mappen, Kassetten oder Rollen steckten und dem Kaiser oder der Kaiserin zu feierlichen Anlässen überreicht wurden. Die Exponate zeigen nicht nur, wie unterschiedlich das Kunsthandwerk in den verschiedenen Kronländern war, sie sind auch historische Zeugnisse: Denn der Schenker hatte im Normalfall ein Anliegen.
Eines der prunkvollsten Stücke ist eine von der Wiener Werkstätte aus Silber, Gold, Elfenbein und Halbedelsteinen angefertigte Kassette, die dem Kaiser bei einem Fabriksbesuch der Skoda-Werke in Pilsen überreicht wurde. Sie diente in erster Linie der Selbstdarstellung der Waffen- und Maschinenfabrik – man wollte sich an allerhöchster Stelle als potenzieller Geschäftspartner präsentieren. In der Kassette befanden sich auch Reverenzen: etwa die Fotografie eines für das holländische Königshaus gebauten Panzerschiffs. Nicht nur für die Skoda-Werke, sondern auch für die damals noch junge Wiener Werkstätte war das Stück ein Werbeträger. Denn die Kassette ruhte nicht im kaiserlichen Depot, sie wurde ausgestellt und in Fachzeitschriften besprochen.
Katholiken brauchen keine Lobby
Die Herkunft der Huldigungsadressen verrät aber auch einiges über die Anliegen religiöser oder nationaler Minderheiten, die am Wohlwollen des Kaisers besonderes Interesse hatten. Die Evangelische Kirche Wien (A.B. und H.B.) überreichte dem Kaiserpaar zur Silberhochzeit eine Huldigungsadresse. Sie war protestantisch-schlicht gehalten: eine Mappe aus blauem Glanzleder mit einfachen Silbergussarbeiten. Auffallend viele Huldigungsadressen stammen von jüdischen Gemeinden, die sich Franz Joseph besonders verbunden fühlten. Keinen Lobbyismus hatte hingegen die Katholische Kirche nötig: Sie war sich der Unterstützung des Kaisers offenbar stets gewiss.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2007)
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