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derStandard.at | derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
12. November 2008
20:39 MEZ

Galerie Winiarzyk, Praterstraße 13/1, 1020 Wien. Bis 29. 11.

 

Spiegelung und Reduktion macht aus dem Elefanten ein ornamentales und inszeniertes Andachtsbild: Valentin Hirsch, Ohne Titel, 2008.


Symmetrie und Dichotomie
Valentin Hirsch in der Galerie Winiarzyk in Wien

Ein Zuviel an Symmetrie wirkt unecht, geradezu irreal. Mehr noch als "falsch" sind auf der vertikalen Achse gespiegelte Gesichter einseitig. Sogar doppelt einseitig. In der Verfremdung einseitig gut? Oder womöglich einseitig böse?

Ein Gedanke, der in Zusammenhang mit Valentin Hirschs großem Interesse für dichotome Elemente und ihre Wechselwirkung, für Extreme wie Gut und Böse, Leben und Tod, Schön und Hässlich nicht abwegig ist.

Häufigstes Motiv seiner Spiegelungen ist der Elefant, Verkörperung von Weisheit, Sinnbild für ein gutes Gedächtnis, Symbol des Buddhismus, aber auch - in Anlehnung an Thomas Hobbes' Leviathan - der Machtrepräsentation. Die fragmentierten, abstrahierten und oft in ein Linienraster der Zentralperspektive gestellten Zeichnungen und Radierungen lassen in Verbindung mit den verschlungenen Linien der runzeligen Elefantenhaut den Eindruck eines geradezu heiligen Ornaments entstehen, eines inszenierten Andachtsbildes, das über jeden Verdacht des Bösen erhaben ist.

Valentin Hirschs grafische Arbeiten besitzen "eine beeindruckende Souveränität im Formalen" , schwärmt Gunter Damisch über die zeitaufwändige handwerkliche Genauigkeit seines einstigen Studenten, die auch den Blick des Betrachters auszubremsen vermag.

"Ich lege sehr viel Wert auf den Strich, weil er unglaublich präzise ist und man mit ihm schwer etwas vortäuschen kann" , erklärt Hirsch selbst. "Die Zeichnung ist sehr klar und direkt - wie ein spontaner Gedanke, den man äußert."

Seltener formulieren sich Hirschs Gedanken zu Skulpturen, wie etwa den zum ziselierten Objekt stilisierten Elefantenrüssel, den Hirsch bei Winiarzyk in eine zerborstene Glasvitrine bettet. Das für das Spiegeln notwendige Kopieren der einen auf die andere Hälfte verweist ebenso wie das Weglassen und Ausdünnen von Partien auf den maschinellen Vorgang des Reproduzierens. Dieser verschleiert nach wiederholtem Kopiervorgang die Konturen und Details zugunsten eines abstrakten Bildes. (kafe / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 13.11.2008)

 

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