Galerien
Wofür Köpfe gut sind
(cai)
Weltanschauungsinstrument? Wie sieht denn so was aus? Na ja, eventuell
wie das Ding auf meinem Schreibtisch. Also wie ein Globus. Ach,
wahrscheinlich denk’ ich bloß zu kompliziert:
"Weltanschauungsinstrument" ist vermutlich einfach ein Synonym für
"Fenster". (Oder für den Fernseher?) Falsch. Es ist eine Kamera, die
Margret Wibmer durch "weibliche" Zusätze ziemlich lieblos in einen Freak
verwandelt hat. Weibliche Zusätze? Ja. Ein Küchenutensil (denn für eine
Fliegenklatsche sind die Löcher zu groß), komische Röllchen
(Lockenwickler?), ein Pelzchen. Soll das "das mediale Bild der
Weiblichkeit" sein? Oder derschlechte Geschmack? Die unverblümte Erotik
von Meret Oppenheims behaarter Kaffeetasse wär’ mir lieber. Die hätte
immerhin in "9 ½ Wochen" mitspielen können. Weil sogar ein Löfferl zum
Umrühren dabei ist.
Die Fotogalerie hat sich jedenfalls was verdammt Großes vorgenommen:
die Mode. Wie sie den Körper zurichtet. Trotzdem ist auf dem besten Foto
der (eher mageren) Ausstellung ein Mann drauf, der nix anhat. Maria
Hahnenkamp hat den Burgschauspieler Michael Maertens als nackerten
Fleischklumpen appetitlich in ein Tuch gepackt, als würde ihn gleich der
Storch bringen. Gut, die Modeaufnahmen, die sie aus Magazinen hat, sind
auch gschmackig, aber da darf ich wohl nicht sie dafür loben.
Und Ulrike Lienbacher lässt die Gesichter in einem Buch für Friseure
halt verblassen. Die Frisuren sind jetzt untote Dauerwellen, steife
Haarzombies. (Frauen haben ihren Kopf ja nicht, damit’s oben nicht
reinregnet, sondern damit sie zum Friseur gehen können.) Bei Käthe Hager
von Strobele schließlich geistern menschenleere Kleider sehr lebendig
herum. Oh, ein Zimmer ist ja eine persönliche Hülle wie das G’wand! Nur
weniger körpernah geschnitten.
Fotogalerie Wien
Währinger Straße 59), "Display", bis 7. Dezember
Di. – Fr.: 14 –
19 Uhr, Sa.: 10 – 14 Uhr
Launisch wie die Briten
(cai) Eine Rechenaufgabe: In
einer Galerie befinden sich fünf Bilder und ich hab’ fünf Sternderln zu
vergeben. Wieso kommt am Ende trotzdem nur ein einzigesSternderl heraus?
a) Vier Bilder sind schlecht. Oder b) Ich hab was Schlechtes gegessen.
Die Briten waren ja angeblich auch nur deshalb so besonders
grausame Kolonialherren, weil sie wegen ihrer Küche dauernd "schlechte
Laune" gehabt haben (eine Umschreibung für Blähungen). Und
Kunstkritikerinnen mit "schlechter Laune" sind gemein wie die Engländer.
Lösung: b. Nein: a! Der Titel der Ausstellung: "In Memory Of
Painting 8." (Ist sie also schon wieder gestorben, die Malerei! Zum
achten Mal!) Dann lauter offene Fragen. Was hat sich Martin Creed dabei
gedacht, als er mit vier Pinselstrichen eine Stufenpyramide gemalt hat?
Und wo ist die Wunderlampe? (In Shirley Jaffes verschnörkeltem Opus
"Aladdin’s Lamp".) Äh, und welches Bild hat nun den Stern
gekriegt? Das von Hayley Tompkins. Bitte? Was ist an dem Brettl so
weltbewegend? Nix. Aber der inspirierende Titel hat meine Füße
bewegt (zum nächsten Punschstandl): "Advent."
Layr Wuestenhagen
(An der Hülben 2), "In Memory
Of Painting 8"
Bis 4. Dezember, Di. – Fr.: 11 – 18 Uhr, Sa.: 11 – 16
Uhr
Pinsel sind wetterfühlig
(cai) Man ist sofort
überwältigt. Von den Terpentindämpfen und weil einen ein kolossales
Zwölffingerdarmgeschwür, äh: Zwölf-Quadratmeter-Bild, begrüßt, wo der
Pinsel die Sau rauslässt. Beim Herbert Brandl wittert man noch hinter
der abstraktesten Orgie die cholerische Natur oder das jähzornige
Wetter. Die Farben sind manchmal schillernd bis zum Kitsch. Peinlich ist
einem aber nicht einmal das Melodrama in Pink. Die bescheideneren
Formate freilich (kleinliche Landschaften) tät’ ich am liebsten
abhängen.
Galerie nächst St. Stephan
(Grünangergasse 1),
Herbert Brandl, bis 8. Jänner
Di. – Fr.: 11 – 18 Uhr, Sa.: 11 – 16
Uhr
Printausgabe vom Mittwoch, 24.
November 2010
Online seit: Dienstag, 23. November 2010 17:05:00
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