Wiener Zeitung · Archiv


Kunstberichte

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Lauf, Masche, lauf!

Aufzählung (cai) Ein Rettungsring aus Marmor? Wieso füllt der Markus Redl nicht gleich Beton in Schwimmflügerln? Na ja, weil er lieber hämmert und meißelt. Außerdem: Der David vom Michelangelo kann ja auch nicht schwimmen. Und was will uns dieser ringförmige Absaufbeschleuniger sagen? Dass die Welt bald untergeht? Mit der Marienverehrung muss das aber auch was zu tun haben. Weil "Maria" draufsteht. Und wer einem Kreuz ein Strickkleiderl anziehen kann ("Church Of Gender"), das eine Seitenwunde hat (eine Laufmasche), so einer bringt es wohl locker fertig, einen Rosenkranz in einen Schwimmreifen umzuinterpretieren. (Wenn der Ken dauernd Barbies Sachen anhätte, wäre er dann eine "Genderella", sprich: Dschenderella?)

Ein Rätsel für Weggetretene, Tschuldigung: für Fortgeschrittene, sind die "Gender-Zitronen". Treffen sich also zwei Zitronen und ein Daumen. Warum? a) Der Daumen im Haus erspart die Zitruspresse. b) Das spielt auf diese autoerotische Praktik an: Daumenlutschen. (Wenn der Konrad aus dem "Struwwelpeter" am Daumen nuckelt, ist die Mama sauer wie zwei Zitronen.) c) Das soll eine Frau mit einem so manifesten Penisneid darstellen, dass die Kastrationsangst bei ihr schon psychosomatisch ist. Dass sie einen "Gender-Finger" hat. (Hä?) Die Geschlechterproblematik beschäftigt den Redl jedenfalls. Sein fettes Kerlchen (nicht der ominöse Adi Positas, sondern der Buddha) macht anscheinend Werbung für die totale Geschlechtslosigkeit. "Ich will kein Mann sein, ich will lieber Schokolade" ist auf seinen Bauch gekritzelt. Falsch! "No sex, no gender!" Wie der Künstler den glatten, weißen Buddha rosa schminkt, ist trotzdem hocherotisch. Den edlen Stein zieht er überhaupt gern in die Niederungen des Kitsches herunter. Die Marmorzitronen malt er schamlos an wie Ostereier. Mischt die hohe Kunst mit dem Banalen. Doch das Peinliche hat bei ihm wenigstens Niveau. Meistens. Oft. Manchmal.

Mario Mauroner Contemporary Art
(Weihburggasse 26)
Markus Redl
bis 23. April
Di. – Fr.: 11 – 19 Uhr, Sa.: 11 – 16 Uhr

Mond-Propaganda

Aufzählung (cai) Dee Sands zerquetscht ein Auto wie der Seewolf eine rohe Kartoffel. Komprimiert es zu einem Blechsalathäuptel. Okay, kein ganzes Auto und nicht mit bloßen Händen. Mit der Schrottpresse. Aus bunten Wrackteilen komponiert sie handliche Klumpen. Und mit ihren suggestiven Titeln schafft sie es gar, mich restlos davon zu überzeugen, diese spröden Knäuel wären absolut romantisch. Das "Riff" könnte natürlich auch ein Blätterteig sein, aber die "Tulpe" blüht eindeutig. Heißt die Ausstellung deshalb so weltflüchtig "Fly Me To The Moon", weil die Gebilde Ähnlichkeit haben mit den Bemmerln (oder Würferln) vom Roboter Wall-E, der aus dem Müll auf der völlig versauten Erde kompakte Würfel presst, nachdem die Menschheit längst ins All abgepascht ist? Nein. Das ist der Titel von einem Lied, das den Ulrich Plieschnig zu seinen kosmischen Bildern inspiriert hat, die hier überall rumhängen (und trotz der leichten Farben ziemlich schwerfällig sind).

Galerie Ulrike Hrobsky
(Grünangergasse 6)
Plieschnig/Sands
bis 23. April
Di. – Fr.: 13 – 18 Uhr, Sa.: 11 – 15 Uhr

Die Kunst entleert sich

Aufzählung (cai) Die Porträtzeichnungen sind sehr kulinarisch, doch Kuli war keiner beteiligt. (Gut, das ist nicht annähernd so originell wie: "Ich bin Autodidakt, aber ich kann nicht Auto fahren.") Mit ihren leckeren Gemälden hat Bianca Regl ja schon bewiesen, dass sie weiß, was sie tut, und tut, was sie kann. (Mit ein paar energischenPinselgesten Gesichter modellieren. Und betörende Farben und Lippen auf ein Törtchen hetzen.) Jetzt bezirzt sie uns halt mit delikater Blässe. Knausert kokett mit den Buntstiftstrichen. Nur ein leeres Blatt ist weißer.

Lukas Feichtner
(Seilerstätte 19)
Bianca Regl
bis 7. Mai
Di. – Fr.: 10 – 18 Uhr, Sa.: 10 – 16 Uhr

 

Printausgabe vom Mittwoch, 13. April 2011
Online seit: Dienstag, 12. April 2011 16:49:00

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