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Quer durch Galerien

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Wer seinen Eros auspackt . . .

Von Claudia Aigner

Debattieren Sie mit!Ja, Herwig Zens hat einen Hang zum Sterben der andern. (Das hatte zugegebenermaßen auch Jack the Ripper.) Nein, die Volkszählung hat im Haushalt vom Zens nicht ein paar Mumien und, sagen wir, fünf Skelette als Untermieter zu Tage gefördert. Und ja, der geniale "Thanatos-Künstler", von dem man erwarten würde, dass er in seinem Tiefkühlfach daheim schon am nächsten Ötzi arbeitet, packt jetzt auch noch seinen Eros aus. Oder: seinen "Sexus-Plexus", wie die Schau bei Tiller & Ernst heißt (Grünangergasse 6, bis 16. Juni).
Beim Zens, der vielleicht ohnedies der beste Zeichner und Radierer im Lande ist, sind auch die Pinselstriche zeichnerisch expressiv. Und so einprägsam wie die Ergebnisse, die man mit einer neunschwänzigen Katze erzielen kann. Trotzdem: Wie eindrucksvoll "hingepeitscht" seine Damen auch sein mögen: Seine Radierungen sind einfach packender. Ohne Farbe ist mir der Zens halt lieber. Die absoluten - postkartengroßen - Höhepunkte der Schau: Die Flötenspielerinnen (die praktisch nur mit einer Flöte vor dem Mund bekleidet sind). Die kommen einer ausgefuchsten erotischen Bilderschrift nahe.
Und von Helga Petrau-Heinzel: hinreißende Wachsbüsten voll delikater Sinnlichkeit und mit unglaublich beseelten Gesichtsausdrücken. Natürlich ist es nicht so, dass jetzt jemandem sein Kopf abgehen würde (den Petrau-Heinzel dann einfach in Wachs getunkt hätte). Petrau-Heinzel hat ihre Manieren ja nicht aus der Französischen Revolution. Schließlich hatte sie es auch nicht nötig, Barbara Cartland zu guillotinieren. Dieser beeindruckend faltige Kopf in der Auslage vom "Demel" ist ja ebenfalls handgefertigt.
Keine bloßen "Futternäpfe für Blumen": Der Schauraum für angewandte Kunst (Siebensterngasse 33) zeigt noch bis 16. Juni, wie kreativ man "Photosynthetikerinnen" aufbewahren kann. Die Nadja Auermanns unter den Schnittblumen (also die mit den längsten Stielen) steckt man am besten durch die ringförmigen Halterungen von Christina Escas Vase "Daisy". (Sie dürfen halt nicht sehr durstig sein, weil sie unten nur ihre Füße baden können.) Von Udo Posch: ein spannender Dialog zwischen zwei Glasbehältern. Die mundgeblasene eigentliche Vase, die nicht von allein "Haltung bewahren" kann (und also kein Wasser bei sich behalten würde, kurz: ziemlich inkontinent wäre), lehnt salopp in einem strengen, "bodenständigen" Glas.
Endgültig hingerissen war ich dann aber von Stefanie Wimmers Gießkanne (formal quasi ein Mittelding zwischen der Schnauze eines Ameisenbären und einem Handstaubsauger). Wer damit hantiert, bei dem könnte das Blumengießen zum bedächtigen Ritual werden wie andernorts das Teeeinschenken. (Schon allein wegen der Schwere des Objekts.) Vormerken: Am 30. Mai und am 6. Juni (um 19 Uhr) gibt es eine Ikebana-Präsentation.
Ein Perfektionist ist Ingo Nussbaumer (bis 17. Juni bei Hubert Winter, Breite Gasse 17) beim regelrechten "Erobern" von jedem einzelnen Farbton in seinen ausgeklügelten Kompositionen. Perfektionistisch ist bei ihm sogar das Abweichen von der Perfektion (wenn etwa von ein paar konzentrischen Ringen einer aus der Reihe tanzt und bei seinem tadellosen Ausscheren einen tadellosen Schatten wirft). Ein raffiniertes Spiel mit der Raumillusion in einer perfekten Farbwelt. Das eine schlampige Holztäfelchen (so mickrig klein, dass man es versehentlich ins nächste Postkastl einwerfen könnte) ist dann aber wohl die Art, wie ein abstrakter Künstler "mit Vollkommenheitsfantasien" seinem Publikum den Allerwertesten entgegenreckt.

Erschienen am: 25.05.2001

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