Egg (VN-ag) Im Schaufenster der Raiffeisenbank Egg tut sich
etwas: politisch korrekte Gartenzwerge proben den Aufstand.
Humorvoll-subversiv erfolgt der Einstieg in die Auflagenkunst der
Grazer Galerie "Artelier".
Was draußen in den Schaufenstern angezettelt wurde, findet im
Inneren der Bank, von der Schalterhalle über die Treppe bis in die
Büros und den Tresorraum, seine gelungene Fortsetzung. "No object is
innocent" verkündet ein Schild von Maurizio Nannucci am
Bankschalter. Und in diesem programmatischen Sinn ist Petra
Schilcher von der renommierten "Galerie & Edition Artelier" in
Graz der Herausforderung nachgekommen, eine Ausstellung in einer
Bank auszurichten und dabei gleichzeitig unter dem Titel "numbered
& signed" einen Diskurs in eigener Sache anzustacheln:
Unikat/Original, oder wie verhält es sich mit der Reproduzierbarkeit
bzw. Multiplizierbarkeit von Kunst?
Aus dem Vollen
Dass sie dabei aus dem Vollen schöpfen konnte, beweisen die von
Artelier seit 1985 herausgegebenen rund 450 Editionen von über 120
zeitgenössischen Künstlern. Darunter befinden sich internationale
Größen wie Martin Kippenberger, Joseph Kosuth oder John Baldessari,
aber auch Aushängeschilder einer jüngeren heimischen
Künstlergeneration wie Peter Kogler, Erwin Wurm, Eva Schlegel oder
Heimo Zobernig. Entsprechend breit gefächert ist das Spektrum an
Multiples und Editionen, das von einer interaktiven CD-ROM bis hin
zu einem simulierten Garten reicht und in das die Ausstellung einen
ebenso fundierten wie leichtfüßigen Einblick gibt. Und sie können
wirklich gut miteinander, die multiplizierten Originale und die als
funktionierende Arbeitsplätze an sich schon besetzten Bankräume, die
von Petra Schilcher mit Bedacht und nicht ohne Hintergedanken als
Ausstellungsorte gewählt wurden.
Manches sieht aus, als wäre es schon immer da gewesen, so wie die
"Paparazzi"-Sujets von G.R.A.M. an den Bürofenstern. Anderes fügt
sich so subtil ein, dass man zweimal schauen muss, um die Kunst aus
dem Realitätskontext des Bankalltages herauszufiltern, wie beim
etwas anderen Abreißkalender von Michael Zinganel.
Und wieder anderes provoziert augenzwinkernd. So die Leuchtkästen
von Jörg Schlick, deren Aufschriften wie "Keiner hilft keinem" an
diesem Ort eine völlig neue Bedeutung erfahren.