Ästhetische Differenzen

Das Gesrpäch mit Bruno Gironcoli führte Sabine Oppolzer für das Ö1 Kulturjournal.


Aus der Sicht von Bruno Gironcoli sind seine Verhandlungen mit dem Land Kärnten nicht daran gescheitert, dass er bestimmte Auflagen nicht erfüllt hätte, sondern weil es zwischen ihm und dem Land grundsätzliche Auffassungsunterschiede gegeben hat, was die Präsentation seines künstlerischen Lebenswerks betrifft.

Bruno Gironcoli / ©Bild: APA
Bruno Gironcoli / ©Bild: APA

Frage: Herr Gironcoli, wussten Sie von der Entscheidung des Landes Kärnten, die Museumspläne still zu legen?

Gironcoli: Ich wusste offiziell noch nichts davon, aber die seit Monaten nicht mehr weiter laufenden Verhandlungen zeigten ja eindeutig, dass hier nur vordergründig Interesse gezeigt wurde, in Kärnten einen Platz für meine Kulturen zu finden.

Frage: Was meint Haider Ihrer Meinung nach, wenn er sagt, dass Sie sich an Vereinbarungen nicht gehalten haben?

Gironcoli: Die Zusagen waren nicht so, dass man sie als solche hätte sehen können. Es gab einen Schriftverkehr. Die haben mir Texte zugesandt und ich ihnen. Wie weit das ein Gespräch war, liegt in der Interpretation jeder Gruppe.

Frage: Was wollte man denn von Ihnen, was Sie nicht wollten?

Gironcoli: Der Stiftungsvertrag hat meiner Ansicht nach nicht auf meine Arbeit gepasst. Meine Skulpturen sind nicht zu einem Festmeterpreis zu einem Tageswert zu versehen. Diese Dimension im Vertrag auszudrücken, was ein Kunstwerk über den reinen Materialwert hinaus ist, war nicht möglich, Für mich ist das aber sehr wichtig. Ich liefere nicht bloß Gegenstände.

Frage: Ging es um den Kaufpreis, den die Stiftung für Ihre Werke bezahlen wollte?

Gironcoli: Nein, so ist das nicht zu sehen. Es geht eben nicht um einen Festmeterpreis, der festzulegen wäre.

Frage: Kann man so sagen, dass Sie das Gefühl hatten, dass der ideelle und künstlerische Wert Ihrer Arbeiten vom Land Kärnten nicht anerkannt wird?

Gironcoli: Anerkannt ist mir zu pathetische, aber nicht gesehen wird. Man hat nicht gesehen, dass ich die Kunstwerke so und so sehe und finde, dass sie an diesen oder jenen Ort gehören. Es ging um ästhetische Handhabungen in der Präsentation.

Frage: Sie wollten also die Positionierung im Museum übernehmen?

Gironcoli: Es gibt ja kein Museum. Es gibt zwar die Bergwerksruine in Bad Bleiberg, die die Hülse eines Museums darstellen kann. Aber diese Hülse hat für sich schon wenig Möglichkeiten geboten, meinen ästhetischen Vorstellungen entgegen zu kommen. Es geht darum, dem Betrachter zu helfen, den Gegenstand zu erkennen und in tiefer gehender Weise zu betrachten. Die Umgebung hilft dem Kunstwerk, es zu verstehen.

Frage: Der Ort hätte also noch massiv umgestaltet werden müssen?

Gironcoli: Unbedingt. Es gab vor allem die obskure Idee, eine halbfolkloristische Symbiose zwischen den vorhandenen Bergwerksutensilien und meinen Skulpturen herzustellen. Das wäre eine fürchterliche Sache geworden.

Frage: Hätte man sich geeinigt, hätten Sie Ihr Lebenswerk der Stiftung übereignet?

Gironcoli: Dass man solch einen Schritt macht, das ist wie meine Haut herschenken. Ich bin jetzt im Gespräch mit Schloss Herberstein, um dort einen Platz zu finden. Die Schlossherrin hat mir im Umfeld ihres Tierparks eine alte Tenne mit 3000 Quadratmetern angeboten. Das Schloss ist mir egal und den Tierpark finde ich fürchterlich, aber das Angebot ist für mich sehr wertvoll. Ich habe die Möglichkeit, einen Teil meiner Arbeiten dort unterzubringen. Der andere Teil wird in dem Privatmuseum des Bauunternehmers Hans-Peter Haselsteiner auf der Donauplatte in Wien unterkommen. Das wird so eine Art Kulturauslagenscheibe für sein Bauunternehmen.

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